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Ein neuer Stern am südlichen Himmel

Ein neuer Stern am südlichen Himmel
von Liam Brickhill

Genie und Perfektion sind keine Synonyme, sondern können sogar sehr gegensätzlich sein. Das Streben nach Perfektion ist zielgerichtet. Es ist ein monolithischer und manchmal sogar zerstörerischer Impuls. Wahrhaft virtuoses künstlerisches Streben hingegen erfolgt nicht nach Diktat. Es ist heterodox. Es ist ein Akt der Schöpfung. Mit dem Album UMDALI (was so viel wie Schöpfer bedeutet) hat der südafrikanische Musiker Malcolm Jiyane die volle Blüte seines rätselhaften Genies gezeigt und tritt zum ersten Mal als Bandleader auf. Auf dem Album dirigiert er seine Band, das Malcolm Jiyane Tree-O, zu einer kaiserlichen musikalischen Alchemie mit einem perfekt unvollkommenen Stück südafrikanischen Jazz.

Die Entstehungsgeschichte des Albums erzählt von den kleinen, alltäglichen Wundern, die das Leben ausmachen, während alle darauf warten, dass es passiert. Ende 2020, als Jiyane wegen Lockdowns und Nichtstun am Boden war, bot ihm das Label Mushroom Hour Half Hour die Möglichkeit, ein Album aufzunehmen (Mushroom Hour stand auch hinter der Veröffentlichung des Soundtracks zu Sifiso Khanyiles Dokumentarfilm UPRIZE! im Oktober 2020 – ein Projekt, an dem Jiyane im Rahmen von Spaza teilgenommen hatte). Doch bevor sich Tree-O für eine zweite Aufnahmesession im Jahr 2021 versammelte, entdeckte Toningenieur Peter Auret ein weiteres Album, das die Band 2018 aufgenommen und auf Eis gelegt hatte. Das Team entschied dann, dass die Zeit für dieses erste Album gekommen war, und so wurde es nun veröffentlicht.

UMDALI album cover
Albumcover UMDALI

Aber große Geschichten haben tiefe Wurzeln, und dieses Album ist die Krönung einer Reise, die vor Jahrzehnten begann. Jiyane wuchs in einem Ort namens Kid’s Haven auf, einem Heim für gefährdete Kinder in Benoni. Eines Tages, so die Geschichte, brachte der legendäre Erzieher und Musiker Dr. Johnny Mekoa seine Big Band mit, um für die Kinder zu spielen. Jiyane hörte ihre Interpretation von “Bags’ Groove” und das war’s. Im Alter von 13 Jahren trat er als Schlagzeuger in Mekoas Music Academy of Gauteng ein, und als Erwachsener wurde er zu einem der fleißigsten und umtriebigsten Jazzer in der Joburg-Szene. Als Multiinstrumentalist und multidisziplinärer Kreativer war er eine feste Größe in Steve Kwena Mokwenas Veranstaltungsort Afrikan Freedom Station.

UMDALI selbst wurde 2018 in zwei Tagen produziert und aufgenommen (und drei Jahre später innerhalb von drei Wochen gemischt und gemastert). Mokwena war maßgeblich an dem Prozess beteiligt und erklärt in den Liner Notes des Albums, dass es eine “ehrliche Momentaufnahme” von Jiyanes Lebensumständen während der Aufnahmen ist: Jiyane hatte den Tod seines Mentors Mekoa und seines Bandkollegen Senzo Nxumalo sowie die Geburt seiner Tochter zu verkraften, deren Bild das Albumcover mit zarter Würde ziert. “Diese lebensverändernden Ereignisse prägen das emotionale Register der Musik und ihre thematischen Anliegen”, schreibt Mokwena.

Africa is a Country

Dieser Artikel erschien im Original auf englisch unter dem Titel “A new star in the southern sky” bei Africa is a Country.

So gibt die erste Strophe von “Senzo seNkosi”, dem ersten Stück des Albums, das Nxumalo gewidmet ist, mit einem elegischen Schwung den Ton an, ein Requiem mit Holz- und Blechbläsern. “Umkhumbi kaMa” lässt das Schlagzeug in den Vordergrund treten, erhöht das Tempo und verleiht ihm eine suchende, rastlose Energie. Es ist ein Lied, das zeigt, warum Jazz und Funk gut mit anderen zusammenspielen, sich aber geschwisterlich nahestehen.

“Ntate Gwangwa’s Stroll” ist eine langsame Blues-Hommage an Jonas Gwangwa, den verstorbenen Posaunisten, der Südafrikas Kampf um Freiheit und kulturellen Ausdruck während der Apartheid künstlerisch verkörperte und ein weiterer Mentor von Jiyane war. Auf dem Album triefen die Bläsersätze über der nachdenklichen Perkussion und verteilen sich wie roher Honig über dampfendem UJeqe.

“Als ich anfing, Posaune zu spielen”, erklärt Jiyane, “waren die Spieler, die ich studierte und denen ich zuhörte, keine Südafrikaner: JJ Johnson, Curtis Fuller, Albert Mengelsdorf und andere. Dann begann ich, südafrikanische Posaunisten zu recherchieren, und was ich im Werk von Mosa Jonas Gwangwa fand, hat mich umgehauen. Was Ntate Jonas als Komponist, Arrangeur, Produzent und Freiheitskämpfer geleistet hat, liegt mir sehr am Herzen. Wir sind aus demselben Holz.”

“Life Esidimeni” erzählt von der unfassbaren Tragödie des Todes von 143 Menschen durch Verhungern und Vernachlässigung in den staatlichen psychiatrischen Einrichtungen Südafrikas. Der Refrain “lendaba ibuhlungu” (diese Geschichte ist schmerzhaft) erklingt in einem Lied, das Solidarität mit den von der Gesellschaft Vergessenen ausdrückt und sich zu einem Crescendo steigert, das eine Katharsis vollzieht, die so überschwänglich ist, dass sie fast wie ein Wunder wirkt und alles mit sich trägt – Trauer, Schmerz, Liebe, Schönheit – in einer großen, humanisierenden Flut.

Das Album schließt mit “Moshe”, einem Song, der so schön ist, dass er sich jeglichen Worten entzieht, die ich ihm entgegenhalten könnte. Es genügt zu sagen, dass der Gesang des Stücks unerwartete Perspektiven eröffnet und in Tönen spricht, die eine direkte Verbindung zu der Universalität im Kern aller Musik bieten. Phrasen, die zuvor nur angedeutet wurden, finden hier ihren vollen Ausdruck, und der Ruf und die Antwort zwischen den verschiedenen Instrumenten katalysiert etwas Elementares, wie der Wind, der zum Feuer spricht, wie das Wasser, das Gedichte für die Erde schreibt.

Und in all dem – fünf Songs in knapp 45 Minuten – wird das Album von Fingern unterbrochen, die auf den Basssaiten kratzen, dem Atem des Lebens, der durch Blasinstrumente entweicht, und Jiyanes eigenen spontanen Ausrufen und Ermutigungen. Das alles erinnert an die japanische Ästhetik des Wabi-Sabi, eine Weltanschauung, die sich auf die Schönheit und Akzeptanz von Vergänglichkeit und Unvollkommenheit konzentriert. UMDALI wird durch seine winzigen, organischen Unvollkommenheiten zum Leben erweckt und ist so unwahrscheinlich und wundersam wie ein Gänseblümchen aus Barberton, das auf einem rissigen Bürgersteig in Benoni blüht.

Dies ist sowohl ein Jazzalbum als auch ein belauschtes Gespräch zwischen Künstlern, ein musikalischer Dialog. UMDALI ist der Soundtrack zu Mentorschaft, Kameradschaft und enger Verbindung. Es entzieht sich den einschränkenden Fesseln des Genres und der Erwartungen und zeigt, dass das größte Geschenk der Älteren nicht didaktisch oder dogmatisch ist, sondern emanzipatorischer Natur. Es zeigt uns, dass Talent – und Genie – sich durchsetzen werden. Es gibt einen neuen Stern am Südhimmel.

Liam Brickhill ist Teil der Gründungsgruppe der Africa Is a Country Fellows.

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Zenzile

Zenzile
Somis musikalische Hommage an "Mama Afrika" Miriam Makeba

Die Musikerin Somi Kakoma zollt mit ihrem neuen Album Zenzile ihrem großen Vorbild Miriam Makeba, der “Mama Afrika” Respekt.

Am 04. März 2022, dem Erscheinungsdatum des Albums, wäre die südafrikanische Jazz- und Weltmusikerin, die zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Anti-Apartheid-Bewegung gehörte und ihr Leben lang für Menschen- und Völkerrechte aktiv war, 90 Jahre alt geworden.

Somi selbst ist Aktivistin, Sängerin, Songwriterin, Theaterschauspielerin und Bühnenautorin. Ihre Eltern stammen aus Ruanda und Uganda; sie wuchs in Illinois und Sambia auf, wo ihr Vater für die World Health Organization arbeitete, und studierte nach der Rückkehr der Familie nach Illinois Anthropologie and Afrikanistik. Die Schwerpunkte ihrer kreativen Arbeit liegen auf Themen wie Abstammung, Herkunft, afrikanische Wurzeln. Mit ihrem neuen Album „Zenzile: The Reimagination of Miriam Makeba“ interpretiert Somi signifikante Makeba-Stücke auf tiefgründige und spirituelle Weise neu.

Mit ihrem Album Zenzile zollt Somi ihrem Vorbild Makeba Respekt und schenkt ihr, da sie so viel Kraft und Inspiration aus Makebas Musik gezogen hat, etwas zurück. “Pata Pata”, eines der bekanntesten Lieder Makebas, wurde deshalb als Titeltrack gewählt. Gleichzeitig soll das ALbum eine Reaktion darauf sein, dass Makeba ind en USA, was ihre Stimme anhaltend aus dem Kollektiven Bewusstsein gelöscht hat, als sie sich entschied, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung den „Black Panther“ Stokely Carmichael zu heiraten. Es soll ihren rechtmäßigen Platz im erweiterten Kultur-Archiv der Vereinigten Staaten und der Welt im Allgemeinen einfordern.

Zenzile (Makebas wahrer Vorname) ist mein Versuch, die kompromisslose Stimme einer afrikanischen Frau zu ehren, die unweigerlich Raum für meine eigene Reise und die unzähliger anderer afrikanischer Künstler*innen geschaffen hat. Kurz gesagt, ich schulde ihr etwas. Das tun wir alle! Ihre Botschaft von sozialer Gerechtigkeit und der Menschlichkeit des Lebens der Schwarzen ermutigt uns noch heute. Bei diesem Projekt geht es darum, den enormen und unermesslichen Beitrag zu würdigen, den sie im Namen eines Volkes, eines ganzen Kontinents zur Pop-, Folk- und Jazzmusik geleistet hat.

Somi

Zenzile bringt wieder dasselbe Produktionsteam zusammen, mit dem auch schon das vielbeachtete Album The Lagos Music Salon enstanden ist: Keith Witty, Cobhams Asuquo und Somi selbst. Asuquo ist ein gefeierter Produzent und Multi-instrumentalist aus Lagos, der sowohl traditionelle als auch populäre afrikanische Sensibilität in den Mix einbringt. Witty ist ein Produzent und Bassist aus New York City, dessen Vertrautheit mit elektroakustischem, modernem Jazz eine weitere Perspektive hinzufügt. Zwischen den Dreien wird ein musikalisches Gleichgewicht afrikanischer und amerikanischer Traditionen erreicht, das von ihren individuellen Erfahrungen und der einzigartigen Chemie zwischen ihnen profitiert. Das Ergebnis ist eine eklektische Sammlung von Songs, die geschickt die Grenzen zwischen organisch robustem Jazz, modernem kreativen Jazz, atmosphärischer Weltmusik sowie R&B und Soul überwindet.

https://www.somimusic.com/

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Musik

Jakk Quill nutzt Ironie als Waffe

Jakk Quill nutzt Ironie als Waffe
von Mesh Mwandishi

Jakk Quills zweites Album ist endlich erschienen, und Fans wie ich sind ganz vernarrt darin. Sein Debütalbum New Decade Same Dreams ist ein echter Leckerbissen und wurde von der kenianischen Hiphop-Elite hochgelobt, was ihm eine Nominierung als Texter des Jahres bei den UnKut Hiphop Awards 2020 einbrachte. Sein zweites Album Lost in Motion kommt mit mehr Reife, aber auch mit mehr Flexibilität und Experimentierfreude daher. Einige der Kadenzen wie auch die Produktionstechniken sind erfrischend.

Der Künstler nutzt Kontraste und Ironie, um seine Themen zu behandeln. Lost In Motion ist eine Ode an Künstler:innen und viele andere Menschen, die sich in der Hektik des Alltags verlieren – Arbeit, Familie, Verpflichtungen und alles dazwischen!

Das Album hat jedoch noch viele andere Unterthemen, die es interessant machen. Quill greift darauf zwei parallele Ideen auf: zum einen, dass er dieser unsichtbare MC mit lyrischen Skills ist, mit denen niemand mithalten kann. Die zweite ist, dass das Musikmachen für ihn eine Aufgabe ist, die ihn so sehr plagt wie die Figur des Sisyphos aus der griechischen Mythologie geplagt wird. In der Nummer Break It Down zum Beispiel behauptet er, dass “sich wiederholende Zyklen von Scheiße ihn zurück in die Kabine bringen”, fast so, als ob er sich dadurch in die Enge getrieben fühlt. Im selben Song sagt er aber auch, dass er froh sei, ein Musiker zu sein, der den Blues seiner Fans vertreibe. Der zweite Song des Albums, 2 Chappelle’s, verkörpert das Kontrastmotiv perfekt. Zu Beginn der Strophe zählt er auf, wie oft er abgewiesen wurde oder an welche Tische er nicht eingeladen wurde. Er sagt sogar, dass er schlechte Tage hatte, ähnlich wie Hades, aber es immer schaffte, sich rechtzeitig wieder aufzurappeln. Im Gegensatz dazu sei er heute glücklicher, fühle sich mehr in seine Gemeinschaft integriert und sei sich seiner Rap-Skills und Fähigkeiten sicherer. Er nimmt auch Rapper aufs Korn und fragt auf witzige Art und Weise: “Was ist der Unterschied zwischen einem Clown und einer Legende?”

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

Die Ironie und der Kontrast verdeutlichen die Notlage eines Menschen, der mit seinen “Geistern”, einer Metapher für Schwächen und Unzulänglichkeiten, zu kämpfen hat. So gibt er zum Beispiel zu, dass er sich mit einer Frau, die er liebte, versöhnt hat, es aber trotzdem vermasselt hat. Aber wie er in der Hook sagt: “Ich werde besser, ich habe gelernt, mit den Geistern umzugehen”, ist er auf dem Weg, als Mensch und sogar als Künstler zu wachsen, wenn wir die doppelte Bedeutung daraus ziehen. Er erkennt auch, dass das Verdrängen seiner Geister nicht der beste Weg war, mit ihnen umzugehen.

Rapper
Jakk Quill. © Tangaza Magazine

Ein weiterer Track, und vielleicht der, den ich am meisten liebe, Break It Down, ist selbst ein Kontrast aus zwei verschiedenen Stilen und Themen. Er beginnt mit einer Melodie als Intro/Hook und singt “She gonn’ break it down right now”, bevor er eine melodische Strophe darüber abliefert, dass er in diese Frau verliebt ist, sie sich aber immer streiten und kämpfen.

Im zweiten Teil des Songs wechselt er dann in einen regulären Rap, in dem er über sich selbst und sein Wesen spricht – und das fühlt sich an wie seine intimsten Gedanken. Er stellt die Reihenfolge der Dinge in Frage und fragt ironisch: “Wenn die Zeit eine Schleife ist, wie sicher ist es, dass der Saft nach der Frucht kommt/ Der Regen nach dem Dach/ Der Schmerz nach der Wahrheit/ Wiederholte Zyklen von Scheiße bringen mich zurück in die Kabine”. Er spricht darüber, wie er lange Zeit gemobbt wurde und dass er zu pleite für eine Therapie ist, so dass die Musik seine Art ist, mit seinen Problemen umzugehen. Aber nur um sicher zu gehen, dass er nicht zwei Songs macht, gibt er am Ende zu, dass der Song als Twerk-Song begann, aber irgendwie introspektiv wurde. Er gibt auch zu, dass er sich weniger allein fühlt, wenn seine Geliebte “zusammenbricht” – was vielleicht bedeutet, dass diese Geliebte eine weibliche Version von ihm selbst ist, die mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hat, aber er liebt sie immer noch und bleibt bei ihr, denn Trommelwirbel – sie sind ein und dasselbe.

Das Album zeigt die Dunkelheit auf eine Weise, die unbeteiligt wirkt. Man bekommt schon früh das Gefühl, dass er eine grüblerische Natur hat, immer tief in Gedanken versunken. Im dritten Song, Planning For Doom, nimmt er eine prahlerische Persönlichkeit an, die anderen Rappern Unheil und Gewalt ankündigt und behauptet, er sei der Beste. Seine Melancholie macht ihn auch ein bisschen versnobt – in dem Song Silhouette sagt er, dass er sich kaum an Leute erinnern kann und sie deshalb höflich umkurvt”. Der Song Sharpie verdeutlicht, dass er den Menschen im Allgemeinen nicht traut und insbesondere ein Problem mit den honigsüßen Typen hat. Er zieht es stattdessen vor, dass die Leute ehrlich sind, was ihre Absichten angeht und “auf den Punkt kommen wie ein Scharfschreiber”.

Mesh Mwandishi ist ein junger Hiphop-Enthusiast. Ich liebe ostafrikanischen Hiphop, der so viele Subgenres und Geschmacksrichtungen hat. Ostafrikanischer Rap muss erst noch entdeckt und auf der Weltbühne anerkannt werden, aber wenn es soweit ist, werde ich da sein und allen sagen: I told you!

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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TRAPSTATION von Sabi Wu & Korb$

Auf 'TRAPSTATION' fangen Sabi Wu & Korb$ die Essenz der 2. Shrap-Generation ein
von Mesh Mwandishi

Das neue gemeinsame Projekt TRAPSTATION von Sabi Wu und Korb$ ist ein Album, das unbestreitbar Spaß macht. Für die einen ist es die Geschichte ein paar stigmatisierter Jugendlicher. Für andere ist es ein klassisches Beispiel für das Szenario “Geist versus Körper”. Aber der explosive Inhalt ist kein guter Ausgangspunkt für diese Diskussion.

Hip-Hop-Fans haben gemeinsame Mixtapes schon immer geliebt, ob es Jay Z & Kanye West auf OTIS oder Future & Young Thug auf Super Slimy sind. Die Vorstellung, dass zwei MCs, für ein ganzes Projekt zusammenkommen, macht die Fans einfach verrückt. In der Ära des melodischen Trap-Raps sind diese gemeinsamen Mixtapes jedoch immer häufiger zu hören. Auf internationaler Ebene haben wir gesehen, wie Future ganze Projekte mit Lil Uzi Vert und Juice WRLD (RIP) gemacht hat. Hier in Kenia hat Jovie Jovv diese Kunst perfektioniert und scheint in dieser Hinsicht die Shrap-Bewegung anzuführen.

Die Geburt der 2. Shrap-Generation

Wie die meisten Dinge im Jahr 2020 hat auch die kenianische Musikszene gelitten. Aber es gelang ihr auch, neue Stars hervorzubringen. Eine zweite Generation von kenianischen Rappern wurde aus der Langeweile der Abriegelung geboren. Kahu$h, Chiefgeng, Sabi Wu, Korb$ und Lil Maina kamen alle ungefähr zur gleichen Zeit hervor. Ihre Geschichten ähneln sich. Man stelle sich einen jungen Mann vor, dessen Studium auf unbestimmte Zeit unterbrochen wurde und der nun viel Zeit hat. Er hat schon mal Musik gemacht, aber nicht sehr ” intensiv “, um es mal so zu sagen. Also geht er ins Aufnahmestudio! Alle der Genannten begannen, ihre Liebhaberprojekte zu veröffentlichen. Mit ihrem Elan und dem Drive hinter ihren Songs haben sie nun die Herzen der Hip-Hop-Fans in Nairobi erobert.

Um auf dem ostafrikanischen Markt einen Hit zu landen, ist ein Musikvideo wesentlicher Bestandteil des Projektes. Songs mit Bildmaterial werden im Fernsehen gespielt, die aus dem Fernsehen wiederum im Radio und von beliebten DJs. Lange Zeit war es wirklich schwer, einen Hit zu landen, der nicht von einem Video begleitet wurde. Da die Mittelschicht wächst und die Technologie immer zugänglicher wird, erfreut sich die kenianische Musik immer größerer Beliebtheit – ein guter Zeitpunkt eigentlich, um in das Game einzusteigen.

Aber genau deshalb sind diese Rapper so herausragend. Sie haben Hits gemacht, die immer wieder gestreamt wurden, ohne dass sie für einige ihrer größten Hits auch nur eine Sekunde Bildmaterial brauchten. Songs wie “Iwake”, “Fanya Like This” und jetzt “Rass Life” und “Wacha Nirest” von diesem Album, über das wir hier sprechen, erzielen phänomenale Zahlen auf Streaming-Plattformen. Diese jungen Leute haben einen Umschwung eingeleitet, bei dem die Fans anfangen, auch einmal kenianische Projekte wertzuschätzen und zu konsumieren. Sie machen es sich so einfach, indem sie der Musikwelt die Stirn bieten. Unglaublich und fantastisch.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

Sabi Wu &Korb$ bringen unterschiedliche Dinge in dieses Album ein. Korb$ steht mehr auf melodischen Rap als jeder seiner oben genannten Kollegen. Paradoxerweise liefert er auch mit der tiefsten Stimme und Intonation. Sabi Wu hingegen ist ein Takt-für-Takt-Rapper, der selten Melodien verwendet. Allerdings hat er ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl, daher seine eingängigen Hooks und ein Flow, der musikalisch anregend ist. 

Sie beginnen das Projekt mit dem Track „Movin Different“, der ein starkes Bekenntnis zu ihrem Wunsch ist, sich in der Branche abzuheben. Danach widmen sie sich jugendlichen Themen wie dem Partyleben, Drogen und Drogenkonsum, Liebe, Sex und Romantik. Doch wie bereits erwähnt, kann und wird die Auseinandersetzung mit diesen Themen unterschiedlich interpretiert. Dieser Unterschied in der Interpretation ist vielleicht nicht ausschließlich die Schuld der Fanbase. Die Rapper greifen dieselben Themen auf, aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. In den Liedern „Hatari“ und „Size Yako“ übernehmen die beiden Rapper Rollen, die den Hype-Party-Lifestyle preisen, während sie in „Gone Clear“ und „Pesa Huisha“, den letzten beiden Tracks, einen gemäßigteren Ansatz vertreten. Diese paradoxe Sichtweise der Künstler verleiht dem Projekt mehr Tiefe, etwas, das Kritiker:innen dieser Art von Rap nicht ohne Weiteres zutrauen würden. Die internationale Hip-Hop-Gemeinde hat in der Debatte um “reinen Hip-Hop” oder “Trap” eine parteiische Position eingenommen, und das gilt auch für die Fans in der Heimat. Einige Rapper wurden als “coole Kids” abgestempelt und in eine Schublade gesteckt. Es wird oft behauptet, dass diese Art von Rappern Geschichten erzählen, die nichts mit dem “normalen” Leben zu tun haben. Oder dass ihre Musik zu amerikanisch sei. Mit diesen Vorwürfen sind die Kritiker:innen kaum in der Lage, sich intensiv mit den Themen zu befassen, sondern konzentrieren sich auf die Art der Präsentation und die gewählte Sprache. Die zweite Shrap-Generation ist bereits auf diese Weise verteufelt worden.

Aber ein Buch sollte nicht nach seinem Cover beurteilt werden! Das Album hat eine Vielzahl von Sounds, die mit den Trap-Beats vermischt sind. „Size Yako“ zum Beispiel wird auf einem Gengetone-Beat vorgetragen, und „Wacha Nirest“ ist im Wesentlichen ein kenianischer Trap-Beat mit subtilem Drumming und Modifikationen, die ihn zu einem Drill-Tune machen. „Size Yako“ ist ein Liebeslied, das Frauen mit Übergröße feiert und ihre Schönheit unterstreicht. Diese Botschaft ist wichtig, besonders wenn sie von Männern kommt. „Summer Girl“ und „My Lover“ sind R & B-Tracks mit vielen Suaheli-Texten. Sie behandeln die Themen Liebe und Beziehungen. In dem Song „Summer Girl“ übernimmt Korb$ die Rolle eines reumütigen Liebhabers, der sich für einen Streit entschuldigt. Der Grund für den Streit ist eindeutig ein Alkoholproblem. Auf „Rass Life“, in dem Kahu$h mitwirkt, diskutieren sie das Thema Dreadlocks. “Rass” ist ein gängiges Sheng (Slang) Wort für eine Person mit Dreadlocks. Es ist eine Abkürzung von Rastafarian. Mit einer komischen Herangehensweise (gängig unter den jungen Shrappern) sprechen sie darüber, wie ihre Gesellschaft Menschen mit Dreadlocks behandelt. Sie machen sich über die Mythen und Missverständnisse über Menschen mit Dreadlocks lustig – wie sie bestenfalls als Gesetzesbrecher und schlimmstenfalls als Terroristen angesehen werden. Der Song ist auch eine Hommage an die Jugend und das Leben im Moment ohne Hemmungen. Ein Vers der Hook lautet: “We spend that money ‘fore we make it, It’s the rass life!”

Gegen Ende des Albums wird die Stimmung etwas ernster. Die letzten drei Songs werden von nachdenklichen Themen getragen. Selbst die Beats, die für diesen letzten Abschnitt ausgewählt wurden, sind nachdenklich. In „Yummy Freestyle“ mit den beiden Chiefgeng-Mitgliedern und Sambo geht es um tiefgründige Themen wie Ruhm, echte Freundschaft, musikalisches Wachstum und andere Dinge, die von allen Rappern auf dem Album angesprochen werden. „Gone Clear“ und „Famous vol. 2“ sind Reflexionen über den Ruhm und wie er das Leben der Künstler, die das Album gemacht haben, verändert hat. „Pesa Huisha“ schließt das Projekt mit einer süßen, verträumten Melodie ab. Es stellt eine der ältesten Fragen, die sich Künstler stellen: Würden ihre Liebhaber:innen ohne den Ruhm oder das Geld noch genauso für sie empfinden?

Alles in allem ist dies ein großartiges Album. Die zweite Shrap-Generation hat von einigen Leuten einen schlechten Ruf weg bekommen, aber sie lassen sich nicht einfach hängen. Mit kleinsten Budgets und ohne Plattenvertrag, ja sogar ohne Visuals, schaffen sie es, immer mehr Nummern zu machen. Sie sind die Zukunft des kenianischen Hip-Hop, und wer sie abschreibt, tut dies auf eigene Gefahr.

Mesh Mwandishi, ein junger Hiphop-Enthusiast. Ich liebe ostafrikanischen Hiphop, der so viele Subgenres und Geschmacksrichtungen hat. Ostafrikanischer Rap muss erst noch entdeckt und auf der Weltbühne anerkannt werden, aber wenn es soweit ist, werde ich da sein und allen sagen: Ich habe es euch gesagt!

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Musik

Im Auge behalten: Heno

Im Auge behalten: Heno.
von Kalanzi Kajubi

Heno. ist ein alternativer Soul-Künstler, der zwischen LA und der Bay Area lebt und Wurzeln in Maryland, Äthiopien und Eritrea hat. Sein voller Vorname Yihenew ist amharisch und bedeutet “das war’s” oder “what you see is what you get” – ein passender Name für einen Künstler, der durch seine Texte kühle Verletzlichkeit ausstrahlt. 2021 veröffentlichte Heno. seine beeindruckende, selbst produzierte LP “Death Ain’t That Bad”, eine 14 Songs umfassende, genreübergreifende Meditation über die Sterblichkeit. Inmitten von gefühlvollen, atmosphärischen und manchmal Yeezus-esken Hip-Hop-Beats behält Heno. einen klaren und offenen Ton bei, wenn er mit dem Verlust geliebter Menschen, den Unzulänglichkeiten vergangener Beziehungen und der Bedeutung der Umarmung des Unvermeidlichen rechnet.

Abgesehen von der ohnehin schon fesselnden Klangwelt des Tapes haben die von Heno. gewählten begleitenden visuellen Elemente besonders gut dazu beigetragen, eine Welt rund um das Tape zu schaffen, mit der sich die Fans auf vielen Ebenen auseinandersetzen können. Zum einen fängt das von Nick Francis collagierte Cover die dunklen, frenetischen Töne des Tapes treffend ein. Heno. veröffentlichte außerdem zwei Musikvideos, zwei Textvideos, eine Mini-Dokumentation über die Themen des Tapes, einen Instagram-Filter, der die Krone nachahmt, die er im Blackstarrr-Video trägt, eine limitierte Kassettenversion der LP und ein animiertes NFT in Zusammenarbeit mit @taramoves.

Wir haben uns mit Heno. getroffen, um mehr über den künstlerischen Ansatz und die Umstände zu erfahren, die ihn zu seiner neuesten Veröffentlichung inspiriert haben.

Wer ist Heno.? Was ist die Geschichte oder Bedeutung hinter deinem Namen?

Meine Mutter nannte mich Yihenew, als sie in den Wehen lag, weil sie sagte, Gott habe es ihr gesagt, und mein Vater ließ es zu. “Heno” war der Spitzname, mit dem mich meine Familie und Freunde, die mit mir aufgewachsen sind, ansprachen. Abgesehen davon wuchs ich in einer Gegend auf, in der ich mich für meinen Namen schämte, weil er nicht der Norm entsprach und für die Leute schwer auszusprechen war. Jahrelang habe ich die verschiedenen Variationen meines Namens nicht korrigiert, weil es mir egal war, und habe mir sogar verschiedene Spitznamen zugelegt, um es den Leuten leichter zu machen. Aber als ich älter geworden bin und mich mehr an meine Kultur angepasst habe, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, meinen Namen zu reclaimen und klarzustellen, dass ich Heno heiße und nur so angesprochen werden möchte (deshalb heiße ich in meinen sozialen Netzwerken “mynameisheno”); der Punkt am Ende ist auch deshalb wichtig, weil er die ganze Reise zusammenfasst, die ich hinter mir habe, um an einen Punkt zu gelangen, an dem die Leute mich einfach mit meinem tatsächlichen Namen ansprechen.

Wie würdest du deine musikalische Welt beschreiben?

Ich beschreibe meinen Sound und meine musikalische Welt gerne als Alternative Soul; eine Mischung aus Hip-Hop und meiner Liebe zu Motown/Soul, äthiopischem Old-School-Jazz, bekannt als “Ethiopiques”, R&B, Alternative und experimenteller Musik. Mein Vater war in der High School Schlagzeuger in einer Band und Gitarrist. Er hat mir so viel Musik beigebracht, als ich aufwuchs: von James Brown, Jackson 5 und Smokey Robinson bis hin zu Tilahun Gessesse und Aster Aweke. Meine Schwester zeigte mir auch jede Menge R&B-Platten, angefangen mit Brandy, während mein älterer Bruder viel Tupac und Bob Marley spielte. Damals war mir nicht klar, dass ich mich in all den Jahren, in denen ich ununterbrochen in meinem Wohnzimmer saß und CDs und Kassetten über Lautsprecher abspielte, intensiv mit Musiktheorie beschäftigte – von der Songstruktur über das Arrangement bis hin zur Komposition. Das gab den Ton an für mein Verständnis und meine Liebe zur Musik; eine Wertschätzung, die zu einer Besessenheit wurde, die eine Karriere inspirierte.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

Das erste, was bei "Death Ain't That Bad" auffällt, ist das Cover. Kannst du uns etwas über den Künstler erzählen und wie es zustande gekommen ist?

Das Albumcover wurde von Nick Francis gestaltet – einem unglaublich begabten Talent aus Oakland, Kalifornien. Er ist einer der Hauptakteure, mit denen ich zusammenarbeite, wenn es um Cover geht, und er ist für die meisten Cover in meiner Diskografie verantwortlich. Seit Jahren arbeiten wir mit ihm zusammen, und unsere Herangehensweise ist immer dieselbe. Ich schicke ihm ein fertiges Werk, mit dem er sich auseinandersetzen und ein Gefühl dafür bekommen kann. Wir besprechen einige Ideen, aber letztendlich gebe ich ihm den Freiraum für die Umsetzung. Als Künstler hasse ich es, derjenige zu sein, der den Leuten sagt, was sie zu tun haben – das führt in der Regel zu einer unangenehmen “zu viele Köche in der Küche”-Energie, die ich nicht mag. Ich bringe gerne Leute zusammen, die gut sind in dem, was sie tun, und bringe sie in eine Position, in der sie gewinnen können. Ich helfe dabei, den Prozess zu lenken, aber ich weiß auch, wann ich mich zurückziehen und jemanden sich entfalten lassen muss, was aus einem Gefühl des Vertrauens heraus geschieht. Auf diese Weise wird die Arbeit in der Regel besser.

Warum fandest du es notwendig, dieses Album zu machen?

Um es offen zu sagen: Wenn ich dieses Album nicht gemacht hätte, wäre ich heute nicht hier und würde mit euch darüber sprechen. Der Tod ist in meinem Leben so häufig aufgetaucht und wieder verschwunden [seit meiner Jugend], dass sich meine Sicht auf den Tod schon früh von einer Sache, vor der man sich fürchten, die man verabscheuen oder ständig in Frage stellen muss, zu etwas gewandelt hat, mit dessen Logik ich offen gesagt einverstanden war. Ich begann, mich eingehender mit der Philosophie des Todes zu befassen, und stellte fest, dass der Tod in vielen Kulturen und Ländern oft als eine Feier des Lebens betrachtet wird, während er in den USA als Trauer über einen Verlust angesehen wird. In einer Welt, in der wir nur sehr wenig Kontrolle haben, ist es wichtig, zu erkennen, was wir kontrollieren können: wie wir die Dinge wahrnehmen, auf was wir reagieren und wem wir unsere Energie geben wollen. Ich habe dieses Album gemacht, um ein größeres Gespräch darüber zu eröffnen, wie wir Dinge sehen und wahrnehmen, die uns unangenehm sind, und um darin Trost zu finden. Wenn man den Tod kennt und mit ihm im Reinen ist, hat man eine bessere Lebensqualität, weil man sein Leben so verbringen kann, wie man es möchte, und weniger Zeit damit verbringt, das Unvermeidliche zu fürchten und zu verabscheuen. Man nimmt sich Zeit für die Menschen, für die man sich Zeit nehmen muss, und erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist.

Bist du in der Lage, Schönheit im Tod zu erkennen?

Der Tod ist eine schlimme Sache, aber ich sehe darin auch etwas Schönes. Ich denke daran, wie ich an den Beerdigungen von Menschen teilgenommen habe, um ihnen die letzte Ehre zu erweisen, auch wenn wir uns nicht besonders nahe standen, und wie ich am Ende Leute wiedergesehen und kennengelernt habe, die ich seit Jahren nicht mehr gesehen habe und die ich sonst wahrscheinlich nicht gesehen hätte, wenn ich nicht dabei gewesen wäre. Obwohl die Umstände besser sein könnten, hat der Tod eine bittersüße Art, Menschen von überall her zusammenzubringen, um das Leben eines Angehörigen zu ehren. Die Gemeinschaft, die sie hatten, und ihr Vermächtnis, das alle Anwesenden fortsetzen werden. Ich finde es schön, meine verlorenen Angehörigen und Freunde zu ehren. Ihre Namen lebendig zu halten ist eine schöne Sache.

Wer oder was sind einige Inspirationen, musikalisch oder anderweitig, die dich bei der Entstehung dieses Projekts geleitet haben. Was hast du gehört? Gelesen? Mit wem hast du gesprochen? Und so weiter.

Ich habe versucht, während der Arbeit an diesem Projekt nicht zu viel zu hören, aber ich habe mich von der Arbeit von Flying Lotus (“You’re Dead”), dem Schreib- und Erzählstil von Kendrick Lamar und Frank Ocean, von Kanye West (aus der Sicht der Produktion) und dem verstorbenen Mac Miller inspirieren lassen, der meiner Meinung nach einer der besten war, der offen über sein Leben und seine Schwierigkeiten gesprochen hat und dabei transparent war. Ich habe auch viel gelesen und Theorien von Philosophen wie Epicurus, Stephen Caves (Unsterblichkeit), Frank Eyetsemitan, Alan Watts (Die Akzeptanz des Todes) und anderen gelesen. Jede einzelne Aufnahme dieses Projekts wurde von mir inspiriert, indem ich das, was ich gelesen oder gedacht habe, aufgriff und mit jeder Person, die an dem Projekt beteiligt war, sprach, bevor ich meine Arbeit begann. Ich wollte sicherstellen, dass jeder der beteiligten Künstler, Live-Musiker oder Mitarbeiter zu Wort kommt, wenn er über seine eigenen Ansichten/Gefühle zum Thema Tod spricht, und dass er auch versteht, woher ich komme, indem ich den Kontext liefere; und das alles hat sich organisch gut zusammengefügt.

Beyond Death mit einem großen D - es geht auf dem Album auch immer wieder um den Tod im symbolischen Sinne. In "Hurt People" sprichst du über das Ende einer Beziehung und deine Neigung, die Dinge zu versauen, die dir am meisten am Herzen liegen. Ist deine Sichtweise auf diese symbolischen Tode dieselbe? Sind sie auch "not that bad"?

Ich denke, dass alle Formen des Todes zu einem gewissen Grad schlimm sind, aber sie sind auch “not that bad”. Die Entstehung von “Hurt People” war eine Sache, das ganze Verständnis dafür, was diese Gefühle sind, wie sie zum Scheitern einer Beziehung beigetragen haben, die Übernahme der Verantwortung für meine Handlungen und das Erkennen meiner eigenen Schwächen. Aber die Veröffentlichung des Albums ist eine andere Sache, die mit der Akzeptanz einhergeht, dass ich mich in das Bett legen muss, das ich gemacht habe & ich bin jetzt im Frieden damit, dass diese Beziehung zu Ende ist. Ich musste es auf die harte Tour lernen, und manchmal bleibt eine Lektion auf diese Weise hängen. Man muss sich mit dem auseinandersetzen, was einem unangenehm ist, um sich damit abzufinden und weiterzumachen. Diese Situation zu überstehen, hat mir wirklich geholfen, als Mensch zu wachsen. Es ist der Tod eines früheren Ichs. Ich bin nicht mehr so rücksichtslos wie früher, und ich habe heute viel mehr, wofür es sich zu leben lohnt.

Wie können wir solche Leidenszyklen durchbrechen? Irgendwelche Ideen?

Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet, aber einige Ideen, die ich in meinen Alltag integriert habe, um diese Zyklen zu stoppen, sind die Übernahme von Verantwortung, das Eingestehen von Fehlern, die man begangen hat, das Zuhören, das Achten auf die Wellen, die man verursacht, und das Validieren der Gefühle anderer Menschen, indem man Mitgefühl zeigt. Ich glaube, dass wir gerade den letzten Punkt nicht so oft einhalten, wie wir sollten. Selbst wenn man mit jemandem nicht übereinstimmt, kann man zumindest verstehen, woher er kommt, und sich einfühlen, anstatt draufzuhauen und die Verletzung/den Schaden weiter zu verschlimmern.

Heutzutage müssen Künstler an so viel mehr denken, als nur Musik zu machen. Wenn man von deinen eigenen visuellen Darstellungen und dem kürzlich veröffentlichten Instagram-Filter ausgeht, scheinst du das gut zu wissen. Kannst du dazu etwas sagen? Genießt du die zusätzlichen Aufgaben, die mit dem Aufbau einer ganzen kümstlerischen Welt verbunden sind, oder wünschst du dir, du hättest mehr Zeit, um einfach nur zu kreieren?

Am liebsten verbringe ich meine Zeit mit der Produktion von Musik und Kunst, aber ich sehe auch, wie wichtig es ist, die Art und Weise, wie man sich präsentiert, zu variieren und eine Welt darum herum zu schaffen. Da ich sowohl Produzent als auch Künstler bin, kann ich die Welt des alternativen Soul so gestalten, wie ich will. Ich denke, dass es viel wichtiger ist, den Leuten ein Gesamterlebnis zu bieten (besonders während der Pandemie), als jemanden dazu zu bringen, einen Song oder eine einzelne Sache zu mögen. Wenn man sich auf die ganze Welt einlässt, die jemand erschafft, und den Leuten das Gefühl gibt, dass sie ein Teil der Reise sind, dann bleiben die Leute wirklich dabei und unterstützen – indem sie Merch, physische Güter, Tickets, NFTs und mehr kaufen.

Wie verändert sich Ihrer Meinung nach die Erfahrung des Künstlers mit der Entwicklung der Technologie?

Mit den Fortschritten und Innovationen in der Technologie müssen wir als Künstler:innen versuchen, unsere Kunst auf unterschiedliche Weise zu präsentieren, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden – eine Herausforderung, die gleichzeitig auch Spaß macht.

Denkst du an deine vielen Wohnorte, wenn du kreativ bist? Äthiopien, DMV, Oakland, L.A... War einer dieser Orte besonders einflussreich für die Entstehung dieses Albums?

Ich denke die ganze Zeit über die vielen Häuser nach, in denen ich gelebt habe, sei es als Schöpfer oder als Nicht-Schöpfer. Als der introspektive Schriftsteller, der ich bin, reflektiere ich über die Zeiten und Erfahrungen, die ich an jedem dieser Orte gemacht habe und die mich letztendlich zu dem gemacht haben, was ich heute bin. Ich wäre nicht in der Lage gewesen, dieses Album zu machen, wenn ich nicht so viel Perspektive hätte, wie ich sie habe, die von all den Umzügen und Reisen kommt, die ich gemacht habe.

Ich habe gehört, dass ein Großteil des Albums im Studio von Toro Y Moi aufgenommen wurde. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Ich habe bei Death Ain’t That Bad ausgiebig mit meinem lieben Freund Anthony Ferraro zusammengearbeitet, auch bekannt als Astronauts etc. und Keyboarder von Toro Y Moi. Er und Chaz teilen sich einen zweistöckigen Raum in der Bay Area, in dem ich die Ehre hatte, an der gesamten Produktion zu arbeiten. Ich habe die meisten Aufnahmen im Conservatory of Music in San Francisco gemacht und alles von Jose Soberanes mischen und mastern lassen. In dieser Zeit haben wir großartige Gespräche geführt, und alle meine Ideen wurden begrüßt und aufgenommen. Ich versuche, mich nicht zu sehr an das zu gewöhnen, was/wie ich etwas kreiere, also war es schön, in eine Richtung zu gehen, die die Leute nicht von mir erwarten würden, und in diesen Entscheidungen Bestätigung zu finden. Das und die Tatsache, dass ich Zugang zu den verschiedensten Arten von Ausrüstung hatte, hat dazu geführt, dass ich bei der Arbeit an einem Werk so viel Spaß hatte wie nie zuvor. Ich werde auch nicht lügen, denn ich bin seit der Highschool ein Fan von Toro y Moi und hatte das Glück, mit ihm zu arbeiten und zu chillen und selbst respektiert zu werden, was mich sehr bestätigt hat.

Was ist deine Vision für die Zukunft?

Ich habe keine Kontrolle über die Zukunft, aber meine Vision für das, was ich kontrollieren kann, ist eine, in der ich weiterhin großartige Musik über verschiedene Medien veröffentliche, ins Business/Filmgeschäft expandiere, ausgiebig um die Welt toure, weiterhin großartige Beziehungen zu denjenigen aufbaue, die die Kunst unterstützen, Leute dazu inspiriere, jetzt in der Gegenwart zu leben und zu lieben, indem sie tun, was sie wollen und auf diese Dinge hinarbeiten, Wohlstand für meine Familie schaffen und ein Vermächtnis hinterlassen, das meiner Gemeinschaft in den USA [und] in Äthiopien und Eritrea helfen wird. Ich sehe andere Auszeichnungen wie Grammys, Emmys, Billboard-Charts, Gold/Platin-Schallplatten und mehr in meiner Zukunft, aber diese Dinge werden kommen, je mehr ich mich auf das konzentriere, was ich kontrollieren kann.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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Musik

Maandys Musik sprengt traditionelle Geschlechterrollen

Maandys Musik sprengt traditionelle Geschlechterrollen
von Karen Chalamilla

“Wenn die Leute mich ansehen, möchte ich, dass sie eine Badass Bitch sehen.” Diese Aussage ist eine Einführung in Maandys musikalische Persona. Die aus Nairobi stammende Sängerin, die nach ihrem Debütalbum und ihrem Lieblingssong Kabaya genannt wird, ist keine Unbekannte, wenn es darum geht, mit ihrer weiblichen Aura die Grenzen des kenianischen Rap zu erweitern. Auf ihrem kürzlich erschienenen zweiten Album erhebt sie weiterhin den Mittelfinger gegen traditionelle Geschlechterrollen. “Ich glaube, weil ich die Freiheit habe, in meiner Musik über alles zu sprechen, was ich will, muss ich sehen, wie weit ich es treiben kann”, sagt sie kühn, “Mann, ich will wirklich all diese Traditionen kaputt machen.”

Der Name des Albums ist eine Kombination aus zwei Identitäten, die sie verkörpert. “Das Album ist für mich sowohl sexy als auch gangsta”, erklärt sie, “die Gangsta-Seite ist die, die Risiken eingeht, und die sexuelle Seite ist, nun ja, freaky”, was zusammen Frisky ergibt. Dieses Album erzählt die Geschichten von “jungen Frauen in Nairobi”. Dabei lässt Maandy sich von ihren eigenen Erfahrungen inspirieren, um sie mit denen der Frauen in ihrem Umfeld zu verknüpfen, die den Großteil ihres Publikums ausmachen. „Die Art von Frauen, die wissen, dass sie sich dafür entscheiden können, die Grenzen auszutesten und sich das nicht zweimal sagen lassen müssen”, die das Gefühl haben dürfen, in Bestform zu sein. Und wenn das nicht der Fall ist, geben sie sich höchstens einen Augenblick Zeit, um sich schlecht zu fühlen, bevor sie wieder in den Sattel steigen. Letzteres ist für sie besonders wichtig. Maandy gibt zu, dass es eine Weile gedauert hat, bis sie auf diese Weise zu sich selbst finden konnte; sie möchte nicht, dass ihre Zuhörer:innen so lange wie sie brauchen, um sich befreit zu fühlen.

Während es bei der Veröffentlichung ihres Debütalbums eher darum ging, “Spaß zu haben und ein Werk zu haben, mit dem die Leute sie kennenlernen”, gibt sie zu, dass Frisky “eher geschäftsorientiert” ist. Maandy ist sich bewusst, dass mit ihrem zweiten Album mehr von ihr verlangt wird; “die Qualität, der Look, der Inhalt, all das”. Und um dem gerecht zu werden, schöpft sie mit ihren Inhalten aus dem Vollen. Von Partyhits wie „Relax“ über bereits veröffentlichte Singles, mit denen die Fans schon vertraut sind „Shash na Lipgloss“ und „Sirudi Home Refix“, bis hin zu einem Freestyle „Name“ und sogar einer Gesangsperformance „Magizani“, die RnB-Künstlerin Tamias So Into You sampelt. Das Album lässt kein Genre unangetastet.

Aber trotz all ihrer Fähigkeiten ist es ihre Vorliebe für das Geschichtenerzählen, die hervorsticht. Die mehrsprachige Künstlerin wechselt zwischen Englisch und Kisuaheli, um die Zuhörer:innen in die Geschichten der einzelnen Tracks zu ziehen. In dem augenzwinkernden „Money Man“ befragt sie einen Mann über seine Fähigkeit, sie finanziell zu unterstützen (ok hii ni chance nakupea / boy child anza kujitetea). Und in dem pikanten Forbidden Fruit lässt sie uns an einem geheimen Rendezvous mit dem Mann ihrer besten Freundin teilhaben, von dem sie schwört, dass es so nicht geplant war (I swear sikupanga ikue hivi, situation got too sticky). Und im Opener des Albums, „Mambo Gani“, dreht sich der Spieß um, als sie die Geschichten anspricht, die Klatschblogs aufgrund ihrer steigenden Popularität immer wieder über sie erfinden.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

Nach dem überwältigenden Erfolg ihres ersten Albums hat Maandy das Gefühl, dass der Leistungsdruck eine ganze Reihe von Herausforderungen mit sich gebracht hat. “Die Veröffentlichung von Content kann hektisch sein”, sagt sie ganz sachlich. Ob es nun an einem verspäteten Feature liegt (weshalb auf Frisky nur Fena Gitu, Breeder LW und Ndovu Kuu zu hören sind, gesteht sie) oder einfach daran, dass die Erstellung der Inhalte oft kostspielig ist, Maandy verhehlt nicht ihre Erleichterung (und Erschöpfung) darüber, dass sie es trotz allem geschafft hat. Abgesehen von den verwaltungstechnischen Herausforderungen ist das, was sie am meisten auf die Probe gestellt hat, die zunehmend verschwimmende Grenze zwischen Maandy, der Künstlerin, und Amanda, der Frau, die vom Publikum wahrgenommen wird. “Wenn ich also Leute hier draußen treffe, die mich als Künstlerin kennen, denken sie, dass das, was ich als ‘Maandy’ tue, vorgespielt ist, obwohl es das nicht ist.” Das ist natürlich ein Beweis dafür, wie gut die junge Künstlerin Teile ihrer Identität angezapft hat, um diese musikalische Persönlichkeit zu kreieren. Das zeigt, wie sehr soziale Medien und die Musikindustrie miteinander verflochten sind, sodass ihre Internet- und ihre reale Persönlichkeit ineinander übergehen. Das klingt zwar nach einer guten Sache, kann aber auch von Nachteil sein. “Ich stelle mir das gerne so vor, dass man im Büro oder in seinem Freundeskreis nicht wirklich dieselbe Person ist”, erklärt sie, “bei mir ist es genauso, aber die Leute neigen dazu, das misszuverstehen und zu übertreiben. Ich weiß nicht, ob ich jemals darüber hinwegkommen werde, wie sehr mich das stört.”

Es wäre jedoch nachlässig, wenn die Künstlerin nicht zugeben würde, dass ihre Persona eine Rolle dabei spielt, wie ihre Musik und ihre Marke aufgenommen werden.”Es hilft auf jeden Fall, denn leider werden Frauen in der Gesellschaft so angesehen, dass ich weiß, dass die Art und Weise, wie ich mich gebe, dabei hilft. Es ist ein schwieriges Unterfangen, seine Sexualität als einen Akt der Rebellion zu betrachten und gleichzeitig zu wissen, dass ein Teil des Publikums das nicht so auffasst.“ Maandy räumt ein, dass es noch schwieriger ist, weil ein großer Teil ihrer Zuhörer:innen Männer sind. Aber wie das Ethos von Frisky sind es die Frauen, die das Zielpublikum für ihre Musik sind: “Ich fühle mich von niemandem unter Druck gesetzt, Kabaya zu sein, vor allem nicht von den Männern”, sagt sie mit Bestimmtheit, “ich mache meine Musik nicht für sie, ich mache sie für die Frauen.”

Karen Chalamilla ist eine 24-jährige, in Tansania geborene und aufgewachsene Kulturautorin. Ihre Arbeit befasst sich mit Popkultur, Musik, Fernsehen und Film sowie Literatur, wobei sie häufig deren Wechselwirkung mit Fragen der Rasse, des Geschlechts und der Sexualität untersucht.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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Musik

Im Auge behalten: TRS

Im Auge behalten: TRS
von Naila Aroni

Als TRS (Triss) die Tracklist für ihre EP zusammenstellte, war die Wahl von “Respectfully” als Leadsingle eine unbewusste Entscheidung. “Respectfully fühlt sich wie eine Art Einführung an”, sagt sie. “Damit stelle ich mich der Welt vor, und lerne mich selbst neu kennen”.

Für die junge äthiopisch-kanadische Singer-Songwriterin beruht das persönliche Wachstum, das sich in ihrem Schaffen widerspiegelt, auf Unabhängigkeit. Um als unabhängige Künstlerin in der aktuellen Szene von Vancouver zu bestehen, braucht man ein ganzes Dorf hinter sich. Besonders schwierig ist es, wenn die Menschen um einen herum nicht so aussehen und klingen wie man selbst. “In einem Viertel aufzuwachsen, in dem ich in fast jedem Raum die einzige Schwarze war, machte es so schwierig, mein Schwarzsein zu schätzen”. TRS hat sich mit der Regisseurin Andrea Nazarian zusammengetan, um uns daran zu erinnern, dass wir Selbstermächtigung nicht mit Isolation verwechseln sollten. Ihr Video würdigt die Homies und insbesondere die Schwarze Frau, die ihre Kunstfertigkeit in die Wiege gelegt hat. Während ihre Lyrik die Turbulenzen einfängt, die das persönliche Wachstum mit sich bringt, bleibt ihr sanfter Gesang seidig weich.

Wir sprachen mit TRS und Regisseurin Andrea, inwiefern “Respectfully” einen neuen Schritt in der Entwicklung von TRS darstellt. Willkommen in der Welt von TRS.

Warum hast du 'Respectfully' als erste Single auf deiner EP ausgewählt?

TRS: Sie repräsentiert eine Version von mir, die keine Kompromisse bei ihrer Wahrheit eingeht, unabhängig davon, wie andere darüber denken. Ich hatte lange Zeit die Tendenz, die Gefühle und den Komfort anderer auf meine eigenen Kosten zu befriedigen, und das ist etwas, das ich langsam aber sicher loszulassen lerne. Im Moment ist meine Wahrheit, dass nichts und niemand vor meinen Lieben, meiner Kunst und dem Aufbau von nachhaltigem, dauerhaftem Wohlstand für mich und meine Familie kommen wird.

Könnt ihr zwei mir etwas über den Denkprozess hinter dem Video erzählen? Von der Idee über die Ausführung bis zum Abschluss.

TRS: Ich bin gesegnet mit talentierten, fähigen, strahlenden Freund:innen, von denen ich einige schon fast mein ganzes Leben lang kenne. Es war mir wichtig, dass die Beziehungen, die ich in meinen Texten erwähne, auf und neben der Leinwand vertreten waren. Ich wollte die in den Texten erwähnten Themen so weit wie möglich in die Gestaltung des Videos einbeziehen, was mit dem Team beginnt. Der Text und die Darbietung sind sorglos und unverblümt, was ein weiteres Element ist, das ich in die visuellen Darstellungen übertragen wollte. Hier kommt die B-roll ins Spiel, in der wir einfach nur chillen und wir selbst sind. Außerdem liebe ich die Landschaften, die die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, zu bieten hat, und das mussten wir ausnutzen. Andrea hat phänomenale Arbeit geleistet und einige der atemberaubendsten Aussichten, die BC zu bieten hat, ausgekundschaftet.

ANDREA: Dies ist das erste große Musikvideo von TRS, und wir haben bei der Postproduktion eng zusammengearbeitet. TRS und ich hatten mehrere Sitzungen im Schneideraum mit unserem Postproduktionsteam Red Willow, um die perfekten Clips und Momente herauszusuchen, die Performance, Ästhetik, Storytelling und Schwesternschaft in einem Gesamtpaket vereinen, das sowohl sie als auch mich anspricht – und hier ist das Ergebnis!

Wir haben das Privileg, im wunderschönen British Columbia zu leben, und wollten die unglaubliche Natur, die uns zur Verfügung steht, in dieses Video einfließen lassen. Wir wählten einen abgelegenen Strand außerhalb von Vancouver als Eröffnungsszene, um TRS als die geheimnisvolle, selbstbewusste Darstellerin zu zeigen, die sie ist. Als Gegengewicht zu der Schönheit der Natur fanden wir einen wunderschönen architektonischen Ort mit Buntglasfenstern – und nutzten diesen Raum, um TRS in einem jenseitigen Licht zu zeigen, mit farbigen Reflexen, die über ihr Gesicht tanzen, und TRS’ auffälliges Make-up und ihre Garderobe, die ihr eine Art Alter Ego verleihen.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

Was hat dir bei den Dreharbeiten am besten gefallen?

TRS: Ehrlich gesagt… Alles. Aber ich würde sagen, der erste Dreh, bei dem wir die Aufnahmen gemacht haben, wie wir durch das Tal in Pitt Meadows fahren. Es war alles so neu und aufregend; wir hatten keine Ahnung, wohin uns dieser Prozess führen würde. Alle Beteiligten waren an diesem Tag am Set, und die Energie war unglaublich. Auch für die Girls war es das erste Mal, dass sie auf diese Weise vor der Kamera standen, und es war erstaunlich zu sehen, wie sie sich von Nervosität hin zum Wohlfühlen und zur Entfaltung ihrer inneren Schönheit entwickelten.

Du hast erwähnt, dass das Video eine Ode an die Schwarze Schwesternschaft ist. Wie wichtig war die Schwarze Schwesternschaft für dein künstlerisches Schaffen?

TRS: Ich will nicht dramatisch sein, aber die Schwarze Schwesternschaft hat mich gerettet. Ich hatte das Glück, zu einer tollen äthiopischen und eritreischen Gemeinschaft in Vancouver zu gehören und in einem Raum zu leben, in dem ich verstanden wurde, ohne mich erklären zu müssen. So sind diese lebenslangen Freundschaften entstanden. Diese Mädchen haben in meinem Leben so viel mitgemacht. Ehrlich gesagt glaube ich, dass es ein wichtiger Rettungsanker ist, (zumindest ein paar) Freund:innen zu haben, die so aussehen wie man selbst.

Welche anderen Themen behandelst du in den vier anderen Singles der EP?

TRS: Nach dem Intro entfaltet sich eine Liebesgeschichte. Sie umfasst die Übergänge zwischen den Gefühlen der Verliebtheit, der Intimität, des Herzschmerzes, der Loslösung und der Heilung, die das Durchleben einer Beziehung begleiten. Ich erkunde auch, wie Liebe und Verlust uns etwas über uns selbst lehren und zu unserem persönlichen Wachstum beitragen können. Es endet mit einer ungewöhnlichen Erklärung – einer, bei der es im Wesentlichen darum geht, sich für sich selbst zu entscheiden, ganz gleich, wie viel Liebe man für die andere Person empfindet.

Wie würdest du die Musikszene von Vancouver und ihren Einfluss auf deine Kunst beschreiben?

TRS: Die Szene in Vancouver ist frisch, innovativ und kollaborativ. Ich denke, diese neue Welle von Künstler:innen wird Vancouver auf eine Weise bekannt machen, wie es schon lange nicht mehr der Fall war. R&B und Hip Hop sind keine Genres, für die Vancouver bisher bekannt war. Vancouver ist voller Talente und war es schon immer, aber ich habe das Gefühl, dass diese Generation von Künstler:innen und Kreativen geeinter denn je ist und deshalb Geschichte schreiben wird. Und das hat mich so sehr inspiriert.  

TRS © Neena Robertson

Naila Aroni ist Juristin und Künstlerin, geboren und wohnhaft in Nairobi, Kenia. Wenn sie nicht bei der Zeitschrift Tangaza arbeitet, verbringt sie ihre Zeit damit, darüber nachzudenken, wie man nduma abschaffen kann.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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Musik

Tetu Shani ist wiedergeboren

Tetu Shani ist wiedergeboren
von Naila Aroni
Tetu Shani hat das Gefühl, an einem Wendepunkt in seiner Karriere angelangt zu sein. Endlich kann er sich jenseits aller kommerziellen und gesellschaftlichen Erwartungen ausdrücken.
Für den mehrfach preisgekrönten Afropop- und Indie-Rock-Sänger war die Pandemie mehr als nur eine Erschütterung der Normalität. Sie veränderte sein künstlerisches Schaffen. Während Ausgangssperren und Schließungen seine Einnahmen aus Auftritten drastisch reduzierten, erkrankte er auch noch an Covid und kämpfte mit Symptomen, die seine Kreativität erbarmungslos unterdrückten.
Doch trotz dieses turbulenten Jahresbeginns sind Tetus Ehrgeiz und seine Leidenschaft für kreatives Empowerment ungebrochen. Tetus Musik wurde kürzlich für den Netflix-Soundtrack “Blood and Water” ausgewählt. Neben seinen persönlichen Projekten schafft er weiterhin Raum für alternative Künstler:innen wie ihn, indem er im großen Stil Playlists erstellt, die derzeit eine Fangemeinde von mehreren Tausend Menschen anziehen. Seine Erfolge fühlen sich nicht wie alleinige Siege an. Wenn Tetu gewinnt, wird jede:r alternative Künstler:in, der/die einen sich in Nairobi behaupten will, mit offenen Armen empfangen.
Wir sprachen mit Tetu darüber, was ihn während der Pandemie mental bewegt hat und warum seine Karriere sich in die bestmögliche Richtung entwickelt. Unser Gespräch zeigte, warum “Mind over Matter” der neue “Mainstream” sein könnte.

Erzähl uns von der Entstehung deiner neuen Single 'Survive'.

“Survive” ist im Grunde die Geschichte meiner Reise während dieser Pandemie, um emotional, physisch und spirituell am Leben zu bleiben. Das Werk, das ich jetzt veröffentliche, ist wahrscheinlich die persönlichste Musik, die ich je geschrieben habe. Wenn man an Asante Sana denkt, das ich geschrieben habe, als alles zusammenbrach, habe ich versucht, diese Gefühle der Hoffnungslosigkeit einzufangen. Furukazi war meine Antwort auf die Tatsache, dass es für kenianische Künstler kein Sicherheitsnetz gab, auf das sie sich während der Pandemie verlassen konnten. Survive spannt den Bogen meiner Erzählung über die Pandemie und den Tribut, den Hoffnungslosigkeit und finanzielle Instabilität für meine psychische Gesundheit forderten. Ich erlebte Wellen der Vergeblichkeit, in denen ich anfing, meinen Einfluss in dieser Branche und das, was im Leben wirklich zählt, in Frage zu stellen.

Wenn der Song beginnt, hört man mich sagen “straight from the marrow, from inside my bones, straight as an arrow flying to the moon”, das ist mein Ego, das sich aufputscht. Ich sage nur: “Hört zu, ich bin seriös, ich gebe einfach nicht auf”. Das ist fast so, als ob ich zum Publikum spreche und sage: “Leute, seht mal, ich bin nicht nur ein guter Künstler, sondern ich schaffe unglaubliche, zeitlose Kunst, die den Test der Lebenserwartung bestehen wird.

Hatte die Pandemie direkte Auswirkungen auf deine kreativen Prozesse?

Ich habe dies auf Twitter geteilt, aber für die Leser, die es vielleicht nicht wissen, ich habe mich vor ein paar Monaten mit Covid-19 infiziert. Ich habe mich zwar von dem Virus erholt, aber ich bin ein Langzeit-Covid-Überlebender, was bedeutet, dass ich länger als erwartet unter den weniger “üblichen” Symptomen leide, insbesondere unter dem Kampf gegen das dumpfe Gefühl im Kopf.

Gehirnnebel fühlt sich an, als würde das Bewusstsein einfach durch den Raum treiben, ohne dass eine Bruchlandung in Sicht wäre. Das klingt dramatisch, aber das ist es auch. Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, vergesse ich buchstäblich das Thema unseres Gesprächs und denke mir: “Moment mal, normalerweise bin ich doch gesprächig. Ich weiß, wie man sich artikuliert”, und das war wirklich frustrierend. Es fühlte sich buchstäblich so an, als fehlten Dateien in meinem Gehirn.

Eines Tages spielte ich auf meinem Balkon Gitarre und vergaß den Text zu einem meiner Lieder. Es fühlte sich an wie eine beängstigende Offenbarung, bei der ich zu begreifen begann, dass dies das Ende von allem war, was ich als Singer-Songwriter kannte. Es ist wie bei einem Maler:in, der sich damit abfindet, dass er vergessen hat, wie man malt. Während dieser Zeit habe ich einfach nicht geschrieben und nicht viel gespielt. Ich habe mich einfach von der Musik zurückgezogen und mir genug Zeit gelassen, um zu heilen. Sobald ich mich besser fühlte, habe ich einfach wieder angefangen.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

In welchem "mentalen Zustand" befindest du dich gerade in Bezug auf deinen musikalischen Sound?

Ich bin im Moment an einem wirklich guten Punkt. Ich bin dabei, meine einzigartige musikalische Perspektive zu finden, was einige Leute vielleicht abschreckt, aber ich bin dabei, die beste Version von mir selbst zu entwickeln. Meine Reise als Songwriter begann damit, dass ich gute Songs über das Leben schrieb und dann herausfand, wie ich diese Musik in Texte übersetzen konnte, mit denen die Leute etwas anfangen konnten. Dann kam die Pandemie und ich merkte, dass mein bildlicher Kelch, mit dem ich andere Menschen füllte und aufmunterte, erschreckend leer war. Also wechselte ich von einer Perspektive der Sympathie zu einer des Selbstausdrucks. Jetzt mache ich Musik, die sich nach mir anfühlt, statt nach einem allgemeinen Gefühl, mit dem sich die Leute identifizieren.

Singer-Songwriter:in haben den Ruf, tiefe, melancholische Songs zu machen, die zu einem akustischen Beat gesungen werden, aber ich versuche, diese Form zu durchbrechen. Ich möchte mit der Produktion und schnellen Beats experimentieren, gepaart mit tiefen, introspektiven Texten. So ähnlich wie Outkast es mit Hey Ya! gemacht haben. Als ich Survive hörte, dachte ich laut zu mir selbst: “Yo, das ist Feuer”.

Du hast dich sehr lautstark darüber geäußert, dass Spotify alternative kenianische Künstler:in in seinen Playlists ausschließt. Warum hast du die Alt. Kenya Playlist erstellt und was wolltest du damit erreichen?

Ich war so aufgeregt, als Spotify schließlich auf unsere Märkte kam. Mit Apple Music konnte ich mich nie wirklich anfreunden, weil es sich für mich wie die Gikomba der Streaming-Plattformen anfühlt. Es gibt nur eine Menge Klamotten und Ballen und keine wirklichen Unterstützungsnetzwerke für die Musikschaffenden selbst. Wenn es darum geht, die eigene Musik zu promoten und voranzutreiben, ist Spotify allen anderen weit voraus. Es gibt eigene Video-Tutorials, die erklären, wie man seine Musik vertreibt, und Artikel von Branchenführern.

Als ich die Spotify Kenya-Playlists überflog, war ich nicht sonderlich beeindruckt. Einige der vorgestellten Künstler:innen waren nicht kenianischer Abstammung. Bei den kenianischen Künstlern:innen, die es in die Wiedergabelisten geschafft haben, handelt es sich größtenteils um bekannte Namen, die jeder bereits kennt, was den Zweck einer Wiedergabeliste und das eigentliche ” Ansprechen der Hörer” zunichte macht.

Ich bemerkte die verpasste Gelegenheit und beschloss, eine eigene Wiedergabeliste zu erstellen, die aufstrebenden alternativen Künstlern:innen gewidmet ist, die in den Medien nicht so viel Aufmerksamkeit erhalten. In wenigen Worten: Alt kenya besteht im Wesentlichen aus meinen Lieblingssongs meiner Lieblingskünstler aus dem Genre der alternativen Musik. Am meisten freue ich mich, wenn einige Künstler:innen mich anrufen und mir mitteilen, dass ihre Streams deutlich gestiegen sind, weil sie in meiner Playlist vertreten sind.

Was können die Fans bald von dir erwarten?

Ich bringe mein Debütalbum “Life Before the Apocalypse” heraus. Es ist ein Pop-Punk-Album, das eine Hommage an die Sounds ist, die ich als Kind gehört habe, wie Red Hot Chilli Peppers und Third Eye Blind. Ich habe es vor fast drei Jahren aufgenommen. Weil ich es nicht abbezahlen konnte, liegt es seit drei Jahren auf meiner Festplatte.

Der Arbeitstitel war Heartbreak Amnesia, aber ich habe ihn geändert, denn wenn ich mir das Album jetzt im Nachhinein anhöre, erinnert es mich an eine einfachere Version meiner selbst zu einem anderen Zeitpunkt. Hoffentlich ist es nostalgisch und die Leute können sich damit identifizieren.

 

Naila Aroni ist Juristin und Künstlerin, geboren und wohnt in Nairobi, Kenia. Wenn sie nicht bei der Zeitschrift Tangaza als Redakteurin tätig ist, verbringt sie ihre Zeit damit, darüber nachzudenken, wie man nduma abschaffen kann.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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Musik

Turunesh befeuert Ostafrikas alternative Musikszene

Turunesh befeuert Ostafrikas alternative Musikszene
von Shishi Wanj

Nachdem ich Coastal Cider gemacht hatte, wusste ich, dass es eine Weile dauern würde, bis ich wieder Musik veröffentlichen würde. Ich hatte sogar vor, dies nicht zu tun. Ich wollte wachsen, in der Welt leben, bevor ich eine neue Welt für mich und mein Publikum beschwor...

Turunesh
Die Singer/Songwriterin Turunesh versprüht ostafrikanischen Charme, der von ihren tansanischen und äthiopischen Wurzeln und ihrer Erziehung bis hin zu ihren künstlerischen Einflüssen gespeist wird. Nach einer zweijährigen Auszeit von der Musikszene bescherte sie uns 2021 ihre neueste Single “Cigarette”. Bislang hat sie eine Handvoll Singles veröffentlicht, zwei selbstbetitelte EPs und ihr Debütalbum “Coastal Cider”. Sie macht große Sprünge in der Live-Musikszene in Vancouver, Kanada, wo sie derzeit lebt. Wir haben uns mit ihr getroffen, um herauszufinden, was sie in ihrer Kunst antreibt, welche neue Musik sie macht und vieles mehr.

Die letzten zwei Jahre waren für die Menschheit und unseren kollektiven Gesundheitszustand sehr anstrengend. Wie hast du als unabhängige Künstlerin die Situation gemeistert?

Wie jeder andere auch, wir waren alle im Überlebensmodus. Manche Tage sind hart und andere noch härter. Meine Freunde und meine Familie haben mich bei Verstand gehalten. Sie lieben mich und ich liebe sie, wir haben das gemeinsam geschafft. Ich habe auch daran gearbeitet, mich wieder in mich selbst zu verlieben, das war die schönste Ablenkung von dem aktuellen Wahnsinn. Das Album, an dem ich arbeite, ist auch zu der Luft geworden, die ich atme. Es ist der Grund, warum ich morgens aufwache und was mir durch den Kopf geht, wenn ich mich nachts zur Ruhe lege. Ich kämpfe jeden Tag für meine Musik, das ist meine Art der Bewältigung.

Es ist eine Weile her, dass du vor "Cigarette" das letzte Mal Musik veröffentlicht hast. Was hat dich dazu inspiriert, diese Platte jetzt zu veröffentlichen?

Es war einfach höchste Zeit. Nachdem ich Coastal Cider gemacht hatte, wusste ich, dass es eine Weile dauern würde, bis ich wieder Musik veröffentlichen würde. Ich hatte sogar vor, dies nicht zu tun. Ich wollte wachsen, in der Welt leben, bevor ich eine neue Welt für mich und mein Publikum beschwor. Ich wollte, dass mich das nächste Projekt mit einer Transformation überrascht. Leider habe ich zu viel gelebt, was ich nicht geplant hatte. Ich befand mich in der Anfangsphase dessen, was eine Ewigkeit des Kummers sein wird. So ist das Leben. Leben enden nun einmal.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

Wie würdest du als Ostafrikanerin, die in Kanada lebt, die Unterschiede zwischen der dortigen und der hiesigen Gig-Szene beschreiben?

Die Stimmung in der Heimat ist definitiv unübertroffen. Allerdings sind die Szene und die Infrastruktur für alternative Musik unterentwickelt. Der Hauptunterschied ist wirtschaftlicher Natur – alternative Musik wird im Ausland besser bezahlt und verfügt über mehr Infrastruktur. Es ist auch wichtig anzuerkennen, dass sich alternative Musik ständig weiterentwickelt und nicht mehr nur ein Phänomen der Mittelschicht ist. Es gibt erstaunliche Underground-Künstler:innen, die alternative Musik in Kisuaheli für Suaheli machen und Geschichten auf eine Art und Weise erzählen, die textlich und visuell für die breite Masse nachvollziehbar ist. Das ist so verdammt aufregend, weil es beweist, dass alternative Musik in Ostafrika einen vielfältigen kulturellen Wandel darstellt und nicht nur ein Klassengefälle. Die neue Ostafrika-Welle wird sich durchsetzen, wir müssen nur dranbleiben und außergewöhnlich sein!

Siehst du dich selbst als Alté oder African Alternative Künstlerin? Wenn ja, warum? Wenn nicht, warum nicht?

Ich liebe Alté, aber nein, ich bin keine Alté-Künstlerin. Ich denke, Alté ist sehr spezifisch für ‘alternative’ Musik im westafrikanischen Sinne. Sie ist repräsentativ für deren kulturelle Renaissance und von der Geschichte ihrer Kunst geprägt. Alternative Kunst/Musik gibt es aber nicht nur in Westafrika, ich hoffe, das ist klar. Jedes Land in Afrika durchläuft derzeit eine eigene Renaissance-Bewegung. Ich betrachte mich selbst als alternative Künstlerin aus Ostafrika, die neue Genres für die Kultur schmiedet: Neo Ngoma, Neo Swahili Soul, Neo Taraab und einige rein experimentelle Sachen, die ich noch nicht definiert habe.

Was sollen Leute empfinden, wenn sie deine Musik hören?

Ich möchte, dass sie das Gefühl haben, über sich hinauszuwachsen. Wenn meine Musik jemanden an einen unvorhersehbaren Ort in seinem Kopf bringen kann und ihm hilft, in eine Welt zu entkommen, die er sich selbst ausgedacht hat, dann habe ich es geschafft. Wenn ich vor einem Publikum auftrete, möchte ich, dass es sich so fühlt wie mein Lied Afrodite – ein gefühlvoller Widerhall des Geistes.

If i ever go missing, you can find me beneath your skin
- Afrodite

Turunesh

Visuelles Storytelling ist offensichtlich sehr wichtig für dein künstlerisches Schaffen. Wie findest du die richtigen Leute, die dich visuell repräsentieren? Und erfüllen sie immer deine Erwartungen?

Ich habe die Führung, wenn es um die kreative Richtung meiner Bilder geht, das ist sehr wichtig für mich. Ich führe leidenschaftlich gerne Regie und bin eine Fachfrau für Fotografie und Film, so dass ich mich sehr für das visuelle Ergebnis meiner Musik interessiere. Ich führe hauptsächlich auf dieselbe intuitive Weise Regie, wie ich meine Songs schreibe, die bewegten Bilder kommen zu mir wie die Texte, aber ich schaffe natürlich nicht in einem Vakuum. Ich habe ein unglaubliche tolles Team. Ich bin so dankbar für sie, besonders für eine Frau, Jenn Xu, meine Co-Kreativdirektorin. Sie ist mein Fels in der Brandung, eine wahre Freundin und eine Mit-Träumerin. Ich bin auch dankbar für Jan, den Regisseur, der an das Cigarette-Musikvideo geglaubt hat, als es sonst niemand tat, und der mir geholfen hat, meine Vision auf so beeindruckende Weise umzusetzen.

Wie bringst du deinen Job und deine Musikkarriere unter einen Hut, besonders während der Pandemie?

Man schläft einfach nicht. Ich habe den Dreh des Cigarette-Musikvideos um 4:30 Uhr beendet, war um 5:30 Uhr im Bett und wachte um 7 Uhr auf, um um 9 Uhr meine Frühschicht anzutreten. Es fühlte sich an, als wäre ich den ganzen Tag über stoned gewesen. Ich kann mich nicht beschweren, denn ich habe mir dieses Leben ausgesucht, und ich träume definitiv von dem Tag, an dem ich mich nur noch auf die Musik konzentrieren kann, das ist mein ultimatives Ziel.

Gibt es zu Beginn der zweiten Jahreshälfte irgendwelche zukünftigen Projekte, auf die sich deine Fans freuen können?

Ja, und es wird wunderschön werden. Das ist alles, was ich sagen kann.
Shishi Wanj ist eine Macherin aus Nairobi, Kenia, die eine wichtige Rolle beim Kuratieren und Bekanntmachen verschiedener (meist alternativer) Künstler:innen aus der Kreativszene spielt. Da sie von Beruf Schriftstellerin und DJ ist, hat sie eine andere Perspektive auf kulturelle Räume, Menschen, Nuancen und Notwendigkeiten.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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Musik

Im Auge behalten: Sema Sole

Im Auge behalten: Sema Sole
von Kalanzi Kajubi

Sema Sole ist ein vielschichtiger MC aus Kigali, Ruanda. Sein lyrischer Stil ist düster und doch eindringlich, typischerweise rappt er zu Post-Trap-Instrumentals. Wie die meisten anderen Hip-Hopper des Landes rappt er fast ausschließlich in der Landessprache Kinyarwanda, aber mit einer Intention, die ihn von seinen Zeitgenossen abhebt.

Dies kommt besonders auf seiner Debüt-EP Bururu zum Ausdruck, die im Sommer veröffentlicht wurde. Bururu, was übersetzt “blau” bedeutet, ist eine 5-Song-Introspektion über Depression und ihre vielen Phasen, in deren Mittelpunkt die Geschichte eines wohlhabenden, aber unerfüllten Mannes steht, der alles verliert.

Auch ohne die Sprache zu verstehen, ist der Ton des Projekts sehr klar artikuliert, sogar bis hin zum Cover, das unseren nackten Protagonisten zeigt, der Geld blutet, während er durch eine schattige blaue Umgebung läuft. Semas heisere Stimme ist das perfekte Gefäß für die gewichtigen Themen des Albums, und die Produktion ist großangelegt genug, um seine mundvollen Verse unterzubringen.

Wir haben uns mit Sema getroffen, um mehr darüber zu erfahren, wie seine Musik entstanden ist.

1. Wer ist Sema Sole? Was ist die Geschichte oder Bedeutung hinter deinem Namen?

Mein Kumpel Manzi und ich unterhielten uns eines Tages, und ich erzählte ihm, dass ich in meiner Musik nicht meinen richtigen Namen verwenden wollte, auch nicht den alten Namen, den ich benutzte, als ich 2015 mit dem Rappen anfing, nämlich das inzwischen zum Schreien komische “DK-47”, das eigentlich auch von Manzi erfunden wurde. Ich erzählte ihm, dass ich darüber nachdenke, “Sema” zu verwenden, was auf Suaheli “sprechen” bedeutet. Seine Augen leuchteten auf, dann sagte er: “Was ist mit Sema Sole?” Ich hatte erwartet, dass die Leute denken würden, es stecke eine besondere Bedeutung dahinter, aber es ist wirklich nur der Klang, der mich überzeugt hat. Außerdem fühlt sich der Name wie eine Tabula Rasa an, die die Kreativität nicht einschränkt.

2. Wann hast du angefangen, Musik zu machen? Wie ist dein Weg bisher verlaufen?

Ich habe 2015 meinen ersten Song aufgenommen. Für einen ersten Song war er ehrlich gesagt gut, der Aufnahmeprozess war anstrengend, aber ich war von einer Menge Begeisterung angetrieben. Als Hip-Hop-Enthusiast hatte der bereits erwähnte Manzi damals gerade mit dem Rappen angefangen und ermutigte mich immer wieder, es auch zu versuchen.

Ich nahm eine kleine Auszeit und beschloss, eine Musikpause einzulegen, um meine Selbstzweifel zu überwinden. In der Zwischenzeit habe ich mich vom Musiker zum Schüler gewandelt und konsumiere und nehme bei jeder Gelegenheit Musik auf. So habe ich nicht nur mehr Wertschätzung für andere experimentelle Genres wie Soul, Jazz, Blues und Rock entwickelt, sondern auch aktiv mein Handwerk verfeinert.

Während des ersten Lockdowns traf ich mich wieder mit Manzi, der ebenfalls eine Pause vom Rappen genommen hatte, allerdings aus anderen Gründen. Er ist die einzige Person, die an meine Kunst geglaubt hat, auch wenn ich selbst nicht daran geglaubt habe. Ich schrieb Verse zu Beats und nahm sie mit meinem Handy auf. Ein paar Sessions später veröffentlichte ich meinen ersten Song “Ignis” als Sema Sole mit meinem lieben Freund und einem meiner Lieblingsacts in der Hip-Hop-Szene von Kigali, Mazimpaka Prime, der überwältigend positiv aufgenommen wurde. Außerdem habe ich mich im letzten Sommer wieder mit meinem Freund Reddy getroffen, der Produzent ist. Manzi, Reddy und ich haben beschlossen, ein Kollektiv zu gründen, das wir “Mellow Couch” nennen. Unsere Vision für Mellow Couch ist es, alles einzubeziehen, was wir uns in der aktuellen Musikszene wünschen. Das befindet sich alles noch in der Anfangsphase, aber ich freue mich, dass unsere Vision Gestalt annimmt.

Tangaza Magazine

Dieser Artikel erschien im Original bei auf Englisch bei Tangaza Magazine, einem Online-Musikmagazin für Ostafrika.

3. Du scheinst die Welt, die du um deine Musik herum aufbaust, sehr bewusst zu gestalten, vor allem was die Gestaltung des Covers und die Auswahl der Beats angeht. Kannst du uns an deinem kreativen Prozess teilhaben lassen?

Mein kreativer Prozess beginnt in der Regel mit der Suche nach dem richtigen Beat. Die Auswahl des Beats ist sehr wichtig, weil der Beat die Richtung vorgibt, in die ich mit dem lyrischen Inhalt gehen werde; der Gesangston, die Kadenz usw. Meine Kriterien sind einfach. Wenn mich ein Beat beim ersten Anhören nicht provoziert oder erregt, dann ist er nicht der richtige. Punkt. Das kommt nicht oft vor, deshalb bin ich bei Beats sehr wählerisch.

Die Intention ist mein Kompass. Obwohl ich mehr Englisch als Kinyarwanda spreche, habe ich mich bei der Arbeit an Kama selbst herausgefordert, den gesamten Song in Kinyarwanda zu komponieren. Nach der Veröffentlichung von Kama war die Resonanz so positiv, dass ich mich inspirieren ließ, die EP in Kinyarwanda zu singen. Damals wusste ich noch nicht, wohin mich dieses Konzept führen würde, aber die Absicht ist eine Reise und kein Ziel. Ich schloss mich schließlich mit Credo Hope zusammen, der Designerin, die mir einen Katalog von Kunstwerken zeigte, an denen sie gearbeitet hatte, und das Cover der EP sprach mich sofort an. Ich habe sie gebeten, dafür zu sorgen, dass Geld auf dem Rücken der Muse fliegt, was meiner Meinung nach das EP-Cover visuell stimmig macht.

4. Die EP enthält keine Features. War das auch beabsichtigt?

Ich habe mich bei der EP für ein Soloalbum entschieden, weil ich meine künstlerische Bandbreite voll ausschöpfen und einfach meinen Raum haben wollte. Ich habe das Gefühl, dass die EP auch ziemlich persönlich ist, sodass keine andere Stimme außer meiner notwendig war, um meine inneren Gefühle zu vermitteln.

5. Welche Künstler:innen haben am meisten Einfluss auf deinen Sound?

Die ersten Künstler, die mir in den Sinn kommen, sind Kendrick Lamar, Tyler, the creator, Kanye West, Andre 3000, Nirvana, The Beatles, Earl Sweatshirt und Billie Eilish. Mein Sound wurde auch stark von Kamaliza, Cecile Kayirebwa, Teta Diana, Nkurunziza Francois, Gatikabisi alias Don Nova, Bushali und B-Threy beeinflusst. Während ich mich ständig von lokalen Künstler:innen inspirieren lasse, war die Ausweitung meiner Einflüsse über meine Heimatkultur hinaus die notwendige Verbindung zwischen der Festigung meiner Wurzeln und der Entwicklung meines Sounds.

6. Können wir bald ein Video von dir erwarten?

Auf jeden Fall! Ich habe ein Video für Vutu gedreht. Ich hoffe, dass ich es bald veröffentlichen kann. Ich gebe zu, dass ich etwas nervös bin, weil ich nicht weiß, wie es ankommen wird. Es ist das erste Mal, dass ich mich mit visuellen Mitteln beschäftige, und der Prozess ist ein großer Sprung aus meiner Komfortzone. Das Wichtigste ist aber, dass die Leute genauso viel Spaß daran haben wie ich an dem Song.

7. Wie kam es zur Entstehung von Bururu?

“Bururu” ist das Wort für die Farbe Blau in Kinyarwanda. Die EP fängt im Wesentlichen die wechselnde Stimmung eines Menschen ein, der die verschiedenen Phasen einer Depression durchläuft. Die Vergesslichkeit während eines vorübergehenden Hochs, die sich von “yota” bis zum plötzlichen Ende der Musik in “bwije” erstreckt, und die Ernüchterung, als es in “iBururu” wieder in den Blues zurückgeht. Ich verwende die Metapher von Reichtum und Armut, um dies zu vermitteln. Der Mann beginnt in “Yota” (was frei übersetzt so viel heißt wie “wenn sie in der Sonne baden”, was bekanntlich eine morgendliche Aktivität ist) damit, dass er davon spricht, wie er es selbst geschafft hat und wie schiere Willenskraft und Selbstbestimmung ihm den Reichtum gebracht haben, den er jetzt hat. Es klingt, als wäre er gerade erst aus der Armut herausgekommen (es ist morgens, kurz nach Einbruch der Dunkelheit), sodass in seiner Haltung immer noch Elemente der Akzeptanz dessen enthalten sind, wie schmerzhaft Armut sein kann, während die Erinnerung an die Nacht noch frisch ist. Er setzt diese Zurschaustellung in Kama fort, was das kinyarwanda Wort für “Melken” ist. Kühe sind in der ruandischen Kultur ein Symbol für Reichtum. Seinem Tonfall nach klingt er jedoch bequemer und selbstbewusster in Bezug auf seinen Reichtum und sein Wohlergehen, und er ist davon überzeugt, dass sein Erfolg sein eigener Verdienst ist und dass er sich selbst aus seinem vergangenen Unglück befreit hat. In “Vutu”, dem Kinyarwanda-Wort für “Fresskoma”, kommt als Höhepunkt dieses Wohlbefindens die hohe Energie des Tracks und ein hohes Maß an Selbstvertrauen in der Darbietung und noch mehr Prahlerei im Text. Das Wohlbefinden und das Hochgefühl setzen sich im folgenden Stück kurz fort, bevor die Musik abrupt endet, nachdem uns die beiden Stimmen am Ende des Zwischenspiels verraten, dass es bereits Nacht ist. Sie klingen überrascht, wie schnell die Nacht hereingebrochen ist, das Wort “Bwije” bedeutet übersetzt “es ist Nacht”. Dies führt zum letzten Stück “iBururu”, was übersetzt “beim Blues” heißt… unser Protagonist findet sich nun arm und bettelnd wieder und beklagt sich darüber, dass er alles im Leben versucht hat, aber kein Glück hatte und das Leben bedeutungslos geworden ist. Damit steht er in scharfem Kontrast zu seiner Haltung in den früheren Stücken. Das Cover vermengt die Metapher mit dem Hauptthema der Depression, wie man an der Art und Weise erkennen kann, wie das Geld aus dem Rücken unseres Charakters fliegt, während er sich vor Schreck in diesem blauen Reich fast nackt wiederfindet.

Ich habe in der Vergangenheit mit Depressionen zu kämpfen gehabt, und in der EP fange ich die unterschiedlichen Haltungen ein, die ich in den verschiedenen Phasen meiner Depression hatte. In den vorübergehenden Hochs vergaß ich, wie schlimm die Tiefs waren, bis ich wieder in den Abgrund geworfen wurde. Es ist wirklich ein Aufruf, sich nicht von den Umständen beeinflussen zu lassen, wie man dem Leben gegenüber steht, auch wenn das leichter gesagt als getan ist.

8. Erzähl mir von der Entscheidung, ausschließlich in Kinyarwanda zu rappen. Du hast einmal erwähnt, dass du versucht hast, auf Englisch zu rappen, aber festgestellt hast, dass es für dich natürlicher ist, auf Kinyarwanda zu rappen.

Das Dilemma ist, dass ich Englisch viel besser beherrsche, aber es gefällt mir viel besser, wie ich auf Kinyarwanda klinge. Ich kann in ziemlich kurzer Zeit gute Verse auf Englisch schreiben, aber wenn ich sie dann singe, muss ich immer ganz viele Aufnahmen machen, weil ich es hasse, wie ich bestimmte Wörter ausspreche. Und normalerweise gebe ich mich nach einer Million Takes zufrieden, ohne wirklich zufrieden zu sein. Ich glaube, das liegt daran, dass sich mein Akzent sehr von dem der Rapper unterscheidet, mit denen ich aufgewachsen bin, sodass ich mir selbst zuhöre und dann immer denke, dass es bescheuert klingt. Bei Kinyarwanda nehme ich mir mehr Zeit, um eine Strophe zu schreiben, und wenn ich sie aufnehme, mache ich einen einzigen Take. Ich hätte nie gedacht, dass ich in der Lage sein würde, ausschließlich in Kinyarwanda zu rappen, bis ich es ausprobiert habe. Ich bin immer noch unsicher, ob ich die Sprache fließend beherrsche. Ich höre viele meiner Zeitgenossen in Kinyarwanda, die Wörter und Ausdrücke benutzen, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Es ist befriedigend zu sehen, wie sich Menschen, die die Sprache nicht kennen, mit meinen Liedern identifizieren. Ich dachte, ich würde ein Publikum verlieren, aber die Leute verstehen mich immer noch.

9. Wie ist es, in Ruanda Musik zu machen? Wie sieht die kreative Szene dort aus?

Es ist eine sehr aufregende Zeit, um hier in Ruanda Musik zu machen. Vor allem der Hip-Hop hat sich stark weiterentwickelt, weg vom sehr monotonen Old-School/Hardcore-Hip-Hop, der jahrelang vorherrschend war, hin zu einer größeren Vielfalt. Andere alternative Klänge sind aufgetaucht und haben sich durchgesetzt, und die Fangemeinde unserer Künstler:innen wächst auch in der Region. Es ist spannend zu sehen, was die nahe Zukunft bringt.

10. Was steht für dich als Nächstes an?

Ich arbeite weiter an meiner Musik. Das sehr positive Feedback auf diese EP hat mich dazu gebracht, noch mehr zu arbeiten. Ich werde weiterhin Musik über Singles und Kollaborationen mit Mellow Couch und anderen Künstler:innen veröffentlichen. Ich arbeite gerade an meinem Debütalbum. Ich versuche, mir damit Zeit zu lassen, da ich mich selbst noch mehr herausfordern möchte. Hoffentlich kann ich es noch vor Ende des nächsten Jahres veröffentlichen.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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