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Literaturtipps für Weihnachten

Literaturtipps zu Weihnachten
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Verschenken oder selber Schmökern?

Für das Buchfest Weihnachten ist dieses Jahr einiges anders: das Coronajahr belastet nicht nur die Buchbranche, sondern wirft uns Leserinnen und Leser immer wieder auf uns selbst und in unsere eigenen vier Wände zurück. Nicht verzagen, denn glücklicherweise gibt es da ein Heilmittel: den Bücherkauf! Egal, ob ihr noch einen Roman zum Verschenken sucht oder euch selbst mit einer guten Lektüre verwöhnen wollt – es gibt mit Sicherheit das eine oder andere Werk von afrikanischen Autor:innen, das ihr noch nicht kennt. Hier empfehlen wir euch fünf tolle Bücher für die Festtagslektüre.

1. Wo wir stolpern und wo wir fallen

Abubakar Adam Ibrahim
Residenz Verlag
360 Seiten

Für den Drogendealer Reza ist der Einbruch in das Vorstadthäuschen der Witwe Binta Zubairu bloß die Routine eines heißen Vormittags. Einen Herzschlag später wissen beide: Das, was hier geschieht, dürfte nicht sein. Die Anziehungskraft, die sie erfasst, das Begehren, das ihnen selbst ein Rätsel bleibt, verstößt gegen alle Regeln der traditionellen muslimischen Gesellschaft der Stadt Jos. Und doch: Vor dem Hintergrund der politischen und religiösen Gewalt in Nigeria entfaltet sich die sinnliche, kämpferische und verzweifelt unmögliche Liebesgeschichte zwischen einer alternden Frau, die ihren Sohn verloren hat, und dem um 30 Jahre jüngeren Anführer der Gang des Viertels. Ein üppig erzählter Roman, das lebendige Porträt einer zwischen Tradition und Moderne zerrissenen Gesellschaft.

Diese Geschichte über eine Amour fou ist nicht zuletzt dadurch so besonders, dass Ibrahim mit einem gesellschaftlichen Tabu bricht. Über Sexualität einer muslimischen Frau zu schreiben, ist in den Literaturen Afrikas, insbesondere in muslimisch geprägten Ländern, selten.

Ibrahims Roman ist zugleich ein Abbild der nigerianischen Gesellschaft. Zwei Welten prallen aufeinander: die im Islam verankerte Tradition eines Patriachats mit Polygamie und die afrikanische Moderne mit Smartphone, Telenovela, Sex, Drogen und Kriminalität. Für Letztere steht Reza, ein so skrupelloser wie sympathischer Gangleader, der mit Haschisch dealt, Polizisten besticht, geheime Aufträge für einen korrupten und machtgierigen Senator übernimmt.
Überschrieben hat Ibrahim die einzelnen Kapitel mit amüsanten nigerianischen Sprichwörtern: „Wer einen alten Mann verspeist, darf sich nicht beschweren, wenn er anschließend graue Haare spuckt.“
In kräftigen Farben und zarten Tönen erzählt Ibrahim von dieser schönen, verbotenen Liebe.

2. First Woman

Jennifer Nansubuga Makumbi
Oneworld Publications
448 Seiten, englisch

Kirabo ist ein wissbegieriges Kind. Sie hat noch mehr unbeantwortete Fragen als andere Mädchen in der Pubertät, von denen die größte und geheimnisvollste ist: „Wer ist meine Mutter?“ In dem kleinen ugandischen Dorf Nattetta scheint ihr das niemand sagen zu wollen, am wenigsten die Großeltern, die sie ihr Leben lang geliebt und beschützt haben. Auch die flüchtigen Besuche ihres Vaters Tom, der in Kampala sein Unwesen treibt, bringen keine weiteren Erkenntnisse. So beschließt Kirabo, bereits tief verunsichert durch ihre Fähigkeit, ihren Körper zu verlassen und über ihre Nachbarschaft zu schweben, die Dorfhexe Nsuuta zu konsultieren.

Kirabo ist von starken Frauen umgeben. Ihre Großmutter, Tanten, Freund:innen und Cousins und Cousinen wollen alle, dass sie sich an die sozialen Normen anpasst, aber Kirabo ist neugierig, eigensinnig und entschlossen. The First Woman folgt Kirabo auf ihrem Weg, eine junge Frau zu werden und ihren Platz in der Welt zu finden, während ihr Land durch die Herrschaft von Idi Amin verändert wird.

Jennifer Makumbi hat eine mitreißende Geschichte von Sehnsucht und Rebellion geschrieben, zugleich episch und zutiefst persönlich, durchdrungen von einer berauschenden Mischung aus alter ugandischer Folklore und modernem Feminismus. Eine Lektüre, die nachklingt.

3. The Shadow-King

Maaza Mengiste
Canongate Books
428 Seiten

The Shadow-King stand dieses Jahr auf der Shortlist für den Booker Preis, existiert aber leider noch nicht auf deutsch. Die Geschichte spielt im Kontext des italienischen Einmarsches in Äthiopien in den 1930er Jahren, hat also einen historischen Hintergrund, von dem man hierzulande noch nicht allzu viel weiß.
Mengiste erzählt hier die Geschichte von Hirut, einem verwaisten jungen Mädchen, das von denen, die sich um sie kümmern sollten, im Stich gelassen wurde. Hirut wird von dem Freund ihrer Mutter, Kidane, aufgenommen und ist eine Dienerin in seinem Haushalt, wo sie von den unberechenbaren Eifersüchteleien und Launen seiner Frau Aster gequält wird.

Aber ihr Leben wird nicht dasselbe sein, das Generationen vor ihr gelebt haben. Der Krieg steht vor der Tür, und Hirut beobachtet, wie Kidane Waffen sammelt und eine lokale Miliz aufbaut, um der italienischen Invasion zu begegnen. Mengiste folgt diesen Ereignissen, während die Italiener immer näher an ihre Gemeinde herankommen und sich zuhause die Spannungen zwischen Aster und Kidane verschärfen. Mit der Zeit spielen sie alle eine Rolle, wobei Aster eine überraschende Führungsrolle übernimmt und Hirut sich als geschickte Kämpferin erweist. Die Miliz, mit Frauen und Kindern in unterstützenden Rollen, bereitet sich auf den Kampf vor, versteckt sich in Höhlen, versucht, den Verwundeten zu helfen und kommt der endgültigen Begegnung mit den Italienern immer näher.
Der Oman ist eine großartig gestaltete und unaufdringliche Erkundung weiblicher Macht, mit Hirut als grimmiger, origineller und brillanter Stimme im Zentrum. Maaza Mengiste haucht den komplizierten Charakteren auf beiden Seiten der Kampflinie Leben ein und formt eine herzzerreißende, unauslöschliche Erkundung dessen, was es bedeutet, eine Frau im Krieg zu sein.

4. Mädchen, Frau, etc.

Bernardine Evaristo
Klett-Cotta Verlag
512 Seiten

Leider erscheint die deutsche Übersetzung erst im Januar 2021, aber die englische Ausgabe ist ja auch im deutschen Buchhandel zu erhalten. Evaristos Roman wurde 2019 mit dem Booker Preis ausgezeichnet. In Girl, Woman, Other werden die Geschichten 12 verschiedener Frauen erzählt, deren Lebenswege sich auf unterschiedlichste Weise kreuzen. Da sind zum Beispiel Amma, eine junge Dramatikerin, deren Werke häufig ihre eigene Identität als schwarze, lesbische Frau thematisieren; Shirley, Ammas gute Freundin, deren Arbeit als Lehrerin an Londoner „Problemschulen“ sie völlig ausgelaugt hat; Carole, eine ehemalige Schülerin von Shirley, aus der eine erfolgreiche Investmentbankerin geworden ist, sowie deren Mutter Bummi, die einst vor der großen Armut in ihrem Heimatland Nigeria floh. Bei allem, was diese Figuren voneinander unterscheidet, gibt es aber doch etwas, das sie miteinander verbindet … Evaristo erzählt humorvoll, warmherzig und schlagfertig von Themen wie Klassenunterschiede, Rassismus, Identität und Frausein. Ein must-read!

5. Das Weinen der Vögel

Chigozie Obioma
Piper Verlag
512 Seiten

Das Chi, also der Schutzgeist des jungen Geflügelbauern Chinonso ruft die Götter an. Hat sein Schützling nicht alles für seine große Liebe Ndali getan? Hat er ihr auf der Brücke nicht das Leben gerettet? War es nicht ihre Familie, die Chinonso, den ungebildeten Farmer, mit Verachtung reizte? Erst diese Verachtung trieb ihn doch nach Zypern, fort von der Heimat, in der Hoffnung auf Bildung, Aufstieg und eine Zukunft mit Ndali. Und wurde nicht erst während dieser Reise Hoffnung zu Wut und Liebe zu Schuld?
Fest in der nigerianischen oralen Tradition verwurzelt, erzählt Chigozie Obioma eine universelle Geschichte, von einem, der sich gegen sein Schicksal stemmt – und gegen die gesellschaftlichen Barrieren, die seiner Liebe im Weg stehen. Das Weinen der Vögel erzählt eine so klug konzipierte und komponierte wie mitreißende und zu Herzen gehende Liebesgeschichte, die einerseits zugleich auch von nigerianischer Zeitgeschichte gesättigt ist, wie sie andererseits die Kultur und die Kosmologie des Volks der Igbo in der Struktur des Romans verankert.
Mit seinem eindrucksstarken und spannungsvollen Roman bekräftigt Chigozie Obioma seinen Ruf als eine der wichtigsten literarischen Stimmen aus der afrikanischen Diaspora.

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You will die at 20 und der Adichie Moment, der nicht kam

You will Die at Twenty und der Adichie Moment, der nicht kam
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von Zeena Mubarak

Ich bin mehr als bereit für Geschichten, die dem verlorenen kleinen sudanesischen Mädchen in den USA, das ich einst war, eine Vorlage dafür geben können, sich selbst zu lieben.

Ich wuchs als sudanesisches Kind in den USA auf. Wenn wir dort Fantasiespiele spielten, waren die Charaktere, die ich mir ausdachte, immer weiß und ich hatte wenig Grund zu glauben, dass sie etwas anderes als weiß sein könnten. Ich sah nur selten Afrikaner:innen in den Medien, und wenn, dann nur in Wohltätigkeitsspots, in denen traurige Kinder ihre Hände ausstreckten und in denen im gleichen Ton wie über verletzte Welpen gesprochen wurde. Die weißen Charaktere aus meinen Büchern und aus den Filmen, die mein geistiges Auge prägten, konnten in die Welt hinausziehen und Abenteuer erleben. Aber das Mädchen, das ich im Spiegel sah, lebte ohne Ankerplatz und konnte nirgendwo hin.

Die Reisen meiner Familie in den Sudan jeden Sommer waren mein jährliches Highlight. Der Sudan war Freiheit; die Tage lang, an denen ich mit meinen Cousinen, die wie Schwestern für mich waren, der in den USA allgegenwärtigen Aufsicht Erwachsener entkommen konnte. Der Sudan war auch Stabilität; das Haus meines Großvaters stand dort, seit meine Mutter klein war, und unterschied sich so sehr von den vielen Wohnungen und Häusern, zwischen denen wir in Amerika hin- und herzogen. Aber in meinem übrigen Leben gab es keine Worte, um die großen Flachdachhäuser zu beschreiben, die mit wechselnder Besetzung von „nahen“ Verwandten gefüllt waren, deren Gesichter ich nicht immer erkannte, deren Liebe zu mir aber immer spürbar war.

Wenn wir in die USA zurückkehrten, schrumpfte der Sudan gezwungenermaßen auf die Größe unseres Hauses zusammen. Niemand da draußen hatte je von einem solchen Land gehört, wenn er nicht mit dem Darfur Konflikt vertraut war. In dem Afrika, das wir in den USA repräsentiert sahen, gab es keine Freude, sondern nur unendlich große, unstillbare Bedürftigkeit. Und natürlich führte kein Weg daran vorbei, dass ich als Teenager mit meiner dunklen Haut, mit dem unverständlichen Essen auf unserem Tisch und meiner unüberwindbaren Andersartigkeit weniger glücklich war.

Das begann sich zu ändern, als wir im Englischunterricht The Thing Around Your Neck von der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie durchnahmen. Es war umwerfend. Afrika im Englischunterricht! Afrika gerettet aus den traurigen Fußnoten im Sozialkundeunterricht! Dass die Worte von Adichie, einer Afrikanerin, im selben Klassenzimmer gelehrt wurden, in dem wir Shakespeare und Fitzgerald lernten, bedeutete mir alles. Ich erinnere mich, dass ich beim Durchblättern ihrer Kurzgeschichten dachte: „Ich kenne dieses Mädchen, ich kann dieses Haus sehen.“ Obwohl ihre Figuren auf der anderen Seite des Kontinents lebten, auf der anderen Seite des Landes, das ich kannte, erkannte ich mich und meine Familie auf den Seiten wieder. Mir wurde bewusst, wie abwesend wir von allem um mich herum gewesen waren.

Cover der deutschen Übersetzung von "The Thing around your neck"

Als ich im dunklen Kinosaal und darauf wartete, dass You Will Die at Twenty begann, den sudanesischen Film, der letzte Jahr rausgekommen war, war ich sicher, vor einem weiteren Adichie Moment zu stehen – nur noch besser, denn mein eigenes Land, nicht nur mein Kontinent, würde dargestellt werden. Stattdessen hat mich das, was folgte, am Boden zerstört.

You Will Die At Twenty erzählt die Geschichte von Muzamil, einem jungen Mann, der in einem ländlichen sudanesischen Dorf lebt. Bei seiner Geburt wird prophezeit, dass er im Alter von 20 Jahren sterben wird, eine Vorhersage, die seine Familie zerstört. Sein Vater flieht, um im Ausland nach Arbeit zu suchen, während seine Mutter ihre Zeit damit verbringt, die Tage bis zu seinem Tod zu zählen. Muzamils Schulkameraden meiden ihn und nennen ihn „Sohn des Todes“. Als junger Erwachsener steht er nur noch seiner Jugendliebe Naima nahe und hat sein Schicksal passiv akzeptiert.

Erst als Suleiman ins Spiel kommt, ändern sich die Dinge. Diese Figur, die nach langer Abwesenheit nach Hause zurückkehrt, steht für die Einführung westlicher Werte in das statische sudanesische Dorf. Suleiman stellt den Glauben Muzamils in Frage, indem er ihn in den Verkauf von geschmuggeltem Alkohol verwickelt. Er führt ihn durch die Vorführung sexuell provokanter Filme in die Außenwelt ein. Er setzt Muzamils Auflehnung gegen den Aberglauben in Gang.

Im Gegensatz zu Suleiman tun die anderen Dorfbewohner:innen nichts, um zu helfen. In einer Szene geht Muzamil nach Hause und trifft seine Mutter Sakina und andere Frauen an, die seine Beerdigung vorbereiten. Selbst diejenigen Dorfbewohner:innen, die Zweifel am Aberglauben der Mutter äußern, tun wenig, um sie aufzuhalten. Somit macht sich die gesamte Gemeinschaft an Muzamils Elend mitschuldig. Die einzige Ausnahme ist der verwestlichte Retter Suleiman.

An You Will die at Twenty stieß mir so vieles bitter auf – nicht zuletzt die Entscheidung des Dores, sich auf die Seite von Sakina zu stellen. Die sudanesischen Gemeinschaften in den USA und im Sudan, denen ich angehöre, kümmern sich umeinander. Wann immer ich etwas brauche, gibt es einen Cousin, einen Freund, einen Nachbarn, der bereit ist, mir eine Unterkunft, eine Fahrt zum Flughafen, ohne Fragen eine Schulter zum Ausweinen zur Verfügung zu stellen. Als mein Grossvater starb, fuhr mich ein Schulfreund meines Vaters mehrere Stunden nach Hause. Der Cousin meines Vaters flog letztes Jahr zu meiner Hochzeit im Sudan ein, obwohl Wochen zuvor in der Nachbarstadt Massaker stattgefunden hatten. Wo waren also Muzamils Cousins? Wo waren diejenigen, die ihn in jeder sudanesischen Gemeinde, die mir untergekommen ist, bis zum Tod verteidigt hätten, anstatt zuzusehen, wie seine Mutter ihn zugrunde richtet?

Es ist ganz eindeutig, dass der Film für ein westliches Publikum gemacht wurde. Das wird schon klar in der Botschaft, dass Afrika sich nicht ohne europäische Anleitung weiterentwickeln kann und auch in seinen visuellen Referenzen, wie etwa den ständigen Parallelen zwischen Sakina und christlichen Darstellungen der Jungfrau Maria. Meinem Mann, der im Sudan aufgewachsen ist, sind diese Anspielungen entgangen, denn sie waren nicht für ihn bestimmt.

Diese westliche Ausrichtung war vielleicht nicht überraschend, da der Film teilweise von französischen und deutschen Produktionsfirmen finanziert wurde. Aber wenn er sich an ein westliches Publikum richtet, hat er eine noch größere Verantwortung, schädliche Stereotypen in Frage zu stellen. Wir leben in einer Welt, in der der britische Premierminister geschrieben hat, dass das Problem Afrikas darin besteht, „dass wir [Europäer:innen] nicht mehr das Sagen haben“. Wir haben einen US-Präsidenten, der die afrikanischen Nationen für „shithole countries“ hält. Beide Männer glauben, dass Afrikaner:innen der Welt nichts zu bieten haben und vor sich selbst gerettet werden müssen.

Fiktion kann solche falschen Narrative aufbrechen. Stattdessen hat You will die at Twenty alles daran gesetzt, sie zu verstärken. Es gab jedoch keinen Grund, das zu tun: Muzamil hätte in seiner Liebe zu Naima, in der Rückkehr seines Vaters oder in der Koranschule, die seine erste Zuflucht vor seiner Mutter war, Empowerment finden können. Er hätte auch von Suleiman etwas lernen können, aber nur in einem Pozess, in dem dieser auch etwas von ihm lernt.

Africa is a country

Dieser Artikel von Zeena Mubarak erschien im Original bei Africa is a country unter dem Titel „You will Die at Twenty and the Adichie moment that never came“.

Obwohl ich den Großteil meines Lebens in den USA verbracht habe, habe ich festgestellt, dass meine wahre Stärke in den Werten liegt, die meine Mutter an mich weitergegeben hat – mein Glaube, meine Loyalität, meine Wertschätzung von Gemeinschaft. Diese Werte sind vielleicht weniger traditionell westlich, aber es gibt nichts, was mit der westlichen Gesellschaft unvereinbar ist. Tatsächlich sind sie es, die meinem täglichen Leben hier in den USA einen Sinn geben.

Mein jugendliches Ich konnte nicht anders, als die mediale Botschaft zu schlucken, dass alles Afrikanische schwach sei, und war unendlich unglücklich. Ich verbrachte ganze Nächte auf dem Boden meines Kinderzimmers, fühlte mich eingesperrt in meinem Körper.

Erst später am College – als ich begann, alleine in den Sudan zu reisen, mich in eine muslimische Gemeinschaft in den USA zu integrieren und mich nicht mehr durch mein afrikanisches Erbe zurückgeworfen fühlte – wurde ich glücklich. Mir wurde klar, dass ich meinem Sudanesischsein nicht entkommen kann, sondern dass es etwas ist, dass ich ganz und gar bejahen und annehmen will.

Als mein Mann und ich nach You Will Die at Twenty das Kino verließen, überkam uns die Empörung. Es fühlt sich an, als wären wir zurückversetzt worden in meine Kindheit, als das einzige Narrativ, das wir von Afrika sahen, das von Afrika als Problem, auf das nur der Westen eine Antwort sei, war. Ich bin mehr als bereit für Geschichten, die frei von westlich geprägten Retterinnen und Rettern sind. Geschichten, die nicht nur über Afrikaner:innen, sondern für Afrikaner:innen gemacht sind. Geschichten, die dem verlorenen kleinen Mädchen, das ich einst war, eine Vorlage für die Liebe zu sich selbst geben könnten.

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