GIRLS DON’T CRY erzählt die Geschichte von sechs jungen Frauen und ihrem selbstbewussten Handeln in erschütterten Lebensumständen, von ihrem Wunsch, sich zu verlieben, sich zu befreien und für ein selbstbestimmtes Leben zu kämpfen, trotz Verlust und Trauma.
Von Maxie Richter
„Ich bin vor der Beschneidung geflohen. Bis heute weiß meine Mutter nicht, wo ich bin"
So erzählt Nancy dem Filmteam in Tanzania. Weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist in Tansania eigentlich eine Straftat. Ihre Mutter wollte sie dennoch beschneiden lassen und verheiraten, damit die Versorgung der Familie gesichert ist, nachdem ihr Mann, Nancys Vater, gestorben war. Da war Nancy gerade 11 Jahre alt. Sie erklärt dem Filmteam, Frauen würden FGM unterzogen, damit sie nicht mit anderen Männern schlafen würden. Der Brauch sei während eines Krieges entstanden, als Frauen zur Rückkehr ihrer Männer nach dem Krieg mehr Kinder als vorher gehabt hätten. Die Risiken einer Beschneidung waren ihr wegen einem Aufklärungsworkshop in der Schule bewusst. In ihrem Umfeld sei auch ein Mädchen dabei gestorben, berichtet sie. Außerdem wollte sie lernen, statt so früh verheiratet zu werden. Mit ihrer Flucht hat Nancy das Ansehen ihrer Familie in ihrem Dorf schwer beschädigt. Seither lebt sie in dem Schutzhaus der Institution „Hope for Girls and Women Tanzania“. Dort finden junge Mädchen und Frauen Zuflucht, die zuhause körperliche Gewalterfahrungen machen. Zuletzt begleitet das Filmteam ihre Reintegration in die Familie. Die SozialarbeiterInnen stehen dafür in engem Kontakt mit der Familie und führen regelmäßige Besuche durch, um die Unversehrtheit und das Wohlbefinden der Mädchen sicherzustellen. Nancy sagt, dass sie mit 14 selbstbewusster sei und heute im Zweifelsfall gegen ihre Mutter für ihre Rechte einstehen würde. Sie weiß auch, wo sich die lokale Polizeistation befindet, bei der sie sich in künftigen Gefahrensituationen melden könnte.
Nancys Geschichte ist keine Repräsentation für das Schicksal der tansanischen Frau – sondern ein Beispiel, wie Frauen Gewalt erfahren und sich ihr widersetzen.
Was ist FGM? zusammengefasst von Terre des Femmes.
Zur globalen Einordnung von FGM hier ein Beitrag von UN Deutschland.
Zur Arbeit der Schutzstelle Hope for Girls and Women.
Eine Übersicht zur Situation um FGM in Tanzania bietet das Forschungsprojekt, früher 28 TOO MANY.
Zum Stand um Geschlechtergerechtigkeit in Tanzania eine Erhebung des Afrobarometer.
Die Regisseurinnen Sigrid Klausmann und Lina Lužytė zeigen mit ihrem Film GIRLS DON’T CRY eindrücklich, was Feminismus im Alltag bedeutet und wie sich Mädchen auf aller Welt heute in erster Linie für sich selbst entscheiden. Dabei gibt es kein Richtig und Falsch, kein besonders feministisches Ideal zu erreichen. Der Dokumentarfilm porträtiert die sechs Mädchen ruhig und unaufgeregt, ganz ohne Mitleid und Pathos. Die privaten Geschichten und die Selbstsicherheit von Nancy, Sheelan, Selenna, Nina, Paige und Sinai tun allen gut, die Feminismus häufig als politisches Thema diskutieren. GIRLS DON’T CRY gibt Hoffnung, dass Wandel möglich und bereits im Gange ist.
Der Film ist eine wichtige Erinnerung, dass sich der politische Kampf für Gleichberechtigung lohnt – absolut sehenswert!
Originaltitel: | GIRLS DON’T CRY |
Produktionsland: | Deutschland |
Produktionsjahr: | 2025 |
Eine Produktion von: | Schneegans Productions |
Genre: | Dokumentarfilm |
Regie: | Sigrid Klausmann |
Co-Regie: | Lina Lužytė |
Protagonistinnen: | Nancy, Sheelan, Selenna, Nina, Paige, Sinai |
Laufzeit: | 90 min |

Kamerun: ein Offener Brief von Max Lobe
bald sind Wahlen in Kamerun. Eine Botschaft dazu von Max Lobe.

Fotografieren für die Demokratie
Wie ein junger Fotograf in Uganda für Veränderungen kämpft. Ein Artikel von Nikolaus Neidhardt

Blick Bassy
Der kamerunische Musiker Blick Bassy ist in aller Munde. Über sein politisches Engagement und seine metaphysische Musik.


