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Musik

Ein neuer Stern am südlichen Himmel

Ein neuer Stern am südlichen Himmel
von Liam Brickhill

Genie und Perfektion sind keine Synonyme, sondern können sogar sehr gegensätzlich sein. Das Streben nach Perfektion ist zielgerichtet. Es ist ein monolithischer und manchmal sogar zerstörerischer Impuls. Wahrhaft virtuoses künstlerisches Streben hingegen erfolgt nicht nach Diktat. Es ist heterodox. Es ist ein Akt der Schöpfung. Mit dem Album UMDALI (was so viel wie Schöpfer bedeutet) hat der südafrikanische Musiker Malcolm Jiyane die volle Blüte seines rätselhaften Genies gezeigt und tritt zum ersten Mal als Bandleader auf. Auf dem Album dirigiert er seine Band, das Malcolm Jiyane Tree-O, zu einer kaiserlichen musikalischen Alchemie mit einem perfekt unvollkommenen Stück südafrikanischen Jazz.

Die Entstehungsgeschichte des Albums erzählt von den kleinen, alltäglichen Wundern, die das Leben ausmachen, während alle darauf warten, dass es passiert. Ende 2020, als Jiyane wegen Lockdowns und Nichtstun am Boden war, bot ihm das Label Mushroom Hour Half Hour die Möglichkeit, ein Album aufzunehmen (Mushroom Hour stand auch hinter der Veröffentlichung des Soundtracks zu Sifiso Khanyiles Dokumentarfilm UPRIZE! im Oktober 2020 – ein Projekt, an dem Jiyane im Rahmen von Spaza teilgenommen hatte). Doch bevor sich Tree-O für eine zweite Aufnahmesession im Jahr 2021 versammelte, entdeckte Toningenieur Peter Auret ein weiteres Album, das die Band 2018 aufgenommen und auf Eis gelegt hatte. Das Team entschied dann, dass die Zeit für dieses erste Album gekommen war, und so wurde es nun veröffentlicht.

UMDALI album cover
Albumcover UMDALI

Aber große Geschichten haben tiefe Wurzeln, und dieses Album ist die Krönung einer Reise, die vor Jahrzehnten begann. Jiyane wuchs in einem Ort namens Kid’s Haven auf, einem Heim für gefährdete Kinder in Benoni. Eines Tages, so die Geschichte, brachte der legendäre Erzieher und Musiker Dr. Johnny Mekoa seine Big Band mit, um für die Kinder zu spielen. Jiyane hörte ihre Interpretation von “Bags’ Groove” und das war’s. Im Alter von 13 Jahren trat er als Schlagzeuger in Mekoas Music Academy of Gauteng ein, und als Erwachsener wurde er zu einem der fleißigsten und umtriebigsten Jazzer in der Joburg-Szene. Als Multiinstrumentalist und multidisziplinärer Kreativer war er eine feste Größe in Steve Kwena Mokwenas Veranstaltungsort Afrikan Freedom Station.

UMDALI selbst wurde 2018 in zwei Tagen produziert und aufgenommen (und drei Jahre später innerhalb von drei Wochen gemischt und gemastert). Mokwena war maßgeblich an dem Prozess beteiligt und erklärt in den Liner Notes des Albums, dass es eine “ehrliche Momentaufnahme” von Jiyanes Lebensumständen während der Aufnahmen ist: Jiyane hatte den Tod seines Mentors Mekoa und seines Bandkollegen Senzo Nxumalo sowie die Geburt seiner Tochter zu verkraften, deren Bild das Albumcover mit zarter Würde ziert. “Diese lebensverändernden Ereignisse prägen das emotionale Register der Musik und ihre thematischen Anliegen”, schreibt Mokwena.

Africa is a Country

Dieser Artikel erschien im Original auf englisch unter dem Titel “A new star in the southern sky” bei Africa is a Country.

So gibt die erste Strophe von “Senzo seNkosi”, dem ersten Stück des Albums, das Nxumalo gewidmet ist, mit einem elegischen Schwung den Ton an, ein Requiem mit Holz- und Blechbläsern. “Umkhumbi kaMa” lässt das Schlagzeug in den Vordergrund treten, erhöht das Tempo und verleiht ihm eine suchende, rastlose Energie. Es ist ein Lied, das zeigt, warum Jazz und Funk gut mit anderen zusammenspielen, sich aber geschwisterlich nahestehen.

“Ntate Gwangwa’s Stroll” ist eine langsame Blues-Hommage an Jonas Gwangwa, den verstorbenen Posaunisten, der Südafrikas Kampf um Freiheit und kulturellen Ausdruck während der Apartheid künstlerisch verkörperte und ein weiterer Mentor von Jiyane war. Auf dem Album triefen die Bläsersätze über der nachdenklichen Perkussion und verteilen sich wie roher Honig über dampfendem UJeqe.

“Als ich anfing, Posaune zu spielen”, erklärt Jiyane, “waren die Spieler, die ich studierte und denen ich zuhörte, keine Südafrikaner: JJ Johnson, Curtis Fuller, Albert Mengelsdorf und andere. Dann begann ich, südafrikanische Posaunisten zu recherchieren, und was ich im Werk von Mosa Jonas Gwangwa fand, hat mich umgehauen. Was Ntate Jonas als Komponist, Arrangeur, Produzent und Freiheitskämpfer geleistet hat, liegt mir sehr am Herzen. Wir sind aus demselben Holz.”

“Life Esidimeni” erzählt von der unfassbaren Tragödie des Todes von 143 Menschen durch Verhungern und Vernachlässigung in den staatlichen psychiatrischen Einrichtungen Südafrikas. Der Refrain “lendaba ibuhlungu” (diese Geschichte ist schmerzhaft) erklingt in einem Lied, das Solidarität mit den von der Gesellschaft Vergessenen ausdrückt und sich zu einem Crescendo steigert, das eine Katharsis vollzieht, die so überschwänglich ist, dass sie fast wie ein Wunder wirkt und alles mit sich trägt – Trauer, Schmerz, Liebe, Schönheit – in einer großen, humanisierenden Flut.

Das Album schließt mit “Moshe”, einem Song, der so schön ist, dass er sich jeglichen Worten entzieht, die ich ihm entgegenhalten könnte. Es genügt zu sagen, dass der Gesang des Stücks unerwartete Perspektiven eröffnet und in Tönen spricht, die eine direkte Verbindung zu der Universalität im Kern aller Musik bieten. Phrasen, die zuvor nur angedeutet wurden, finden hier ihren vollen Ausdruck, und der Ruf und die Antwort zwischen den verschiedenen Instrumenten katalysiert etwas Elementares, wie der Wind, der zum Feuer spricht, wie das Wasser, das Gedichte für die Erde schreibt.

Und in all dem – fünf Songs in knapp 45 Minuten – wird das Album von Fingern unterbrochen, die auf den Basssaiten kratzen, dem Atem des Lebens, der durch Blasinstrumente entweicht, und Jiyanes eigenen spontanen Ausrufen und Ermutigungen. Das alles erinnert an die japanische Ästhetik des Wabi-Sabi, eine Weltanschauung, die sich auf die Schönheit und Akzeptanz von Vergänglichkeit und Unvollkommenheit konzentriert. UMDALI wird durch seine winzigen, organischen Unvollkommenheiten zum Leben erweckt und ist so unwahrscheinlich und wundersam wie ein Gänseblümchen aus Barberton, das auf einem rissigen Bürgersteig in Benoni blüht.

Dies ist sowohl ein Jazzalbum als auch ein belauschtes Gespräch zwischen Künstlern, ein musikalischer Dialog. UMDALI ist der Soundtrack zu Mentorschaft, Kameradschaft und enger Verbindung. Es entzieht sich den einschränkenden Fesseln des Genres und der Erwartungen und zeigt, dass das größte Geschenk der Älteren nicht didaktisch oder dogmatisch ist, sondern emanzipatorischer Natur. Es zeigt uns, dass Talent – und Genie – sich durchsetzen werden. Es gibt einen neuen Stern am Südhimmel.

Liam Brickhill ist Teil der Gründungsgruppe der Africa Is a Country Fellows.

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Musik

Zenzile

Zenzile
Somis musikalische Hommage an "Mama Afrika" Miriam Makeba

Die Musikerin Somi Kakoma zollt mit ihrem neuen Album Zenzile ihrem großen Vorbild Miriam Makeba, der “Mama Afrika” Respekt.

Am 04. März 2022, dem Erscheinungsdatum des Albums, wäre die südafrikanische Jazz- und Weltmusikerin, die zu den bedeutendsten Persönlichkeiten der Anti-Apartheid-Bewegung gehörte und ihr Leben lang für Menschen- und Völkerrechte aktiv war, 90 Jahre alt geworden.

Somi selbst ist Aktivistin, Sängerin, Songwriterin, Theaterschauspielerin und Bühnenautorin. Ihre Eltern stammen aus Ruanda und Uganda; sie wuchs in Illinois und Sambia auf, wo ihr Vater für die World Health Organization arbeitete, und studierte nach der Rückkehr der Familie nach Illinois Anthropologie and Afrikanistik. Die Schwerpunkte ihrer kreativen Arbeit liegen auf Themen wie Abstammung, Herkunft, afrikanische Wurzeln. Mit ihrem neuen Album „Zenzile: The Reimagination of Miriam Makeba“ interpretiert Somi signifikante Makeba-Stücke auf tiefgründige und spirituelle Weise neu.

Mit ihrem Album Zenzile zollt Somi ihrem Vorbild Makeba Respekt und schenkt ihr, da sie so viel Kraft und Inspiration aus Makebas Musik gezogen hat, etwas zurück. “Pata Pata”, eines der bekanntesten Lieder Makebas, wurde deshalb als Titeltrack gewählt. Gleichzeitig soll das ALbum eine Reaktion darauf sein, dass Makeba ind en USA, was ihre Stimme anhaltend aus dem Kollektiven Bewusstsein gelöscht hat, als sie sich entschied, auf dem Höhepunkt der Bürgerrechtsbewegung den „Black Panther“ Stokely Carmichael zu heiraten. Es soll ihren rechtmäßigen Platz im erweiterten Kultur-Archiv der Vereinigten Staaten und der Welt im Allgemeinen einfordern.

Zenzile (Makebas wahrer Vorname) ist mein Versuch, die kompromisslose Stimme einer afrikanischen Frau zu ehren, die unweigerlich Raum für meine eigene Reise und die unzähliger anderer afrikanischer Künstler*innen geschaffen hat. Kurz gesagt, ich schulde ihr etwas. Das tun wir alle! Ihre Botschaft von sozialer Gerechtigkeit und der Menschlichkeit des Lebens der Schwarzen ermutigt uns noch heute. Bei diesem Projekt geht es darum, den enormen und unermesslichen Beitrag zu würdigen, den sie im Namen eines Volkes, eines ganzen Kontinents zur Pop-, Folk- und Jazzmusik geleistet hat.

Somi

Zenzile bringt wieder dasselbe Produktionsteam zusammen, mit dem auch schon das vielbeachtete Album The Lagos Music Salon enstanden ist: Keith Witty, Cobhams Asuquo und Somi selbst. Asuquo ist ein gefeierter Produzent und Multi-instrumentalist aus Lagos, der sowohl traditionelle als auch populäre afrikanische Sensibilität in den Mix einbringt. Witty ist ein Produzent und Bassist aus New York City, dessen Vertrautheit mit elektroakustischem, modernem Jazz eine weitere Perspektive hinzufügt. Zwischen den Dreien wird ein musikalisches Gleichgewicht afrikanischer und amerikanischer Traditionen erreicht, das von ihren individuellen Erfahrungen und der einzigartigen Chemie zwischen ihnen profitiert. Das Ergebnis ist eine eklektische Sammlung von Songs, die geschickt die Grenzen zwischen organisch robustem Jazz, modernem kreativen Jazz, atmosphärischer Weltmusik sowie R&B und Soul überwindet.

https://www.somimusic.com/
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Phases and Faces

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Sound Sultans politische Musik

Sound Sultans politische Musik
von Rasaq Malik

Nigeria brennt und die Bürger sind amüsiert.

Dele Giwa

Und ich muss meine Geschichte erzählen
um sie anzustoßen und aufzuwecken
die schlafen
unter meinem Volk.

Dele Giwa

Der Tod von Sound Sultan (Künstlername des legendären Olanrewaju Abdul-Ganiu Fasasi von seines Labels Naija Ninja) wurde am 11. Juli, als er im Alter von 44 Jahren verstarb, überall in den sozialen Medien betrauert. Sultan wurde in Jos, Plateau State, als viertes Kind einer fünfköpfigen Familie geboren. Er war sehr begabt und seine Leidenschaft für die Kunst umfasste auch andere Medien wie Schauspiel, Comedy, Songwriting und Gitarrespielen, um nur einige zu nennen. Er hatte zahlreiche Auftritte und gewann Preise für seine Lieder, die das Bewusstsein der Menschen bereicherten und ihnen die Möglichkeit boten, sich kritisch mit gesellschaftlichen Ereignissen, insbesondere in Nigeria, auseinanderzusetzen.

In Sound Sultans Musik ist das Thema des politischen Bewusstseins von zentraler Bedeutung. In seinen Liedern, die sich über Jahre beeindruckender musikalischer Erfolge erstrecken, werden die Notlage der Massen, ihre alltägliche Frustration und ihr Unmut über die nigerianische Regierung und ihre vielfältigen Ideen dazu, das Volk zu betrügen, wunderbar eingefangen. Sultans Einsichten zeigen sich auch in der Wahl der Themen, mit denen er sich beschäftigt, und in der Sprache (eine Mischung aus Yoruba und Englisch), die er für seine Lieder verwendet. Das 2020 veröffentlichte Lied “Faya Faya” mit Duktor Sett ist ein großartiges musikalisches Werk, das den beunruhigenden Zustand des Landes und die Sehnsucht der Massen nach Hoffnung zum Ausdruck bringt. Das Bild des Feuers deutet auf die mutwillige Zerstörung und die Unruhen im Lande hin. Geschickt vorgetragen mit einer Stimme, die Verzweiflung und Müdigkeit transportiert, ermöglicht “Faya Faya” uns, unsere kollektiven Sehnsüchte zu betrauern; unsere sterbenden Träume und Hoffnungen. Die Verwendung von Refrains in einigen von Sultans politisch ausgerichteten Musikstücken unterstreicht das Ausmaß der Probleme, unter denen die Bürger leiden. Die Wiederholung von “pana pana” macht deutlich, dass man jahrelang vergeblich darauf gewartet hat, dass die Politiker das Feuer der postkolonialen Probleme wie Korruption, politische Instabilität, unnötige Morde, Arbeitslosigkeit usw. löschen. In dem Lied singt Sultan:

Während wir auf ein Wunder warten
Wird das Feuer brennen, brennen, brennen
Denn wir warten auf ein Orakel
Feuer soll brennen soll brennen soll brennen
Wir beten, dass das Feuer kühlt
Feuer soll brennen, soll brennen, soll brennen
Panapana o panapana o panapana o.

Hier wird das Bild des Chaos durch diese prägnanten Zeilen gezeichnet. Jahre nach der Wahl neuer Führer werden ihre Versprechen auf Veränderung zu Fata Morganas. Dieses monumentale Versagen wirkt beunruhigend, da die Massen nach den Phantomversprechen der Gewählten dürsten. In jüngster Zeit ist Nigeria zu einem zerklüfteten Hügel für Aktivisten und Menschen geworden, die sich von der Regierung die gewünschten Veränderungen wünschen. Im Oktober 2020 löste die Schießerei am Lekki Tollgate (als Teil der #EndSars-Proteste) kritische Reaktionen im Land aus. Das tragische Ereignis löste eine weltweite Erkenntnis über die Rücksichtslosigkeit aus, mit der unsere Sicherheitskräfte die ständigen Tötungen von Bürgern durch SARS (eine für ihren Missbrauch berüchtigte Polizeieinheit) bekämpfen. Darüber hinaus haben die verheerenden Auswirkungen der von den Fulani-Hirten verübten Angriffe im ganzen Land ernsthafte Sorgen um die Sicherheit der Bürger aufkommen lassen. Darüber hinaus werden in dem Lied die Waffen des Stammesdenkens und der religiösen Polarisierung hervorgehoben, die zur Spaltung und zur Erzeugung von Zwietracht unter den Massen eingesetzt werden.

In einem anderen Lied mit dem Titel “Ole (Bushmeat)”, das 2011 veröffentlicht wurde, schimpft Sultan über die diebischen Führer und ihre Tricks, mit denen sie das Land ausplündern. Seine Angst ist noch ausgeprägter, da er mit Zeilen um sich wirft, die die Plünderer und ihr unersättliches Streben nach unseren kollektiven Ressourcen treffend beschreiben. Sultan beschreibt den rückschrittlichen Zustand des Landes und die von seinen gewählten Führern begangenen Übel und bietet uns einen denkwürdigen Song, der das Gewicht unseres kollektiven Kummers trägt. Das Lied ist revolutionär und erinnert an die jahrelangen Plünderungen und die Misswirtschaft der öffentlichen Gelder, die das Land plagen. Das Bild des Buschfleisches und des Jägers steht für die Bürger und die Regierenden. Die Jäger (die Führer) machen Jagd auf die Massen (das Buschfleisch). Auch hier zieht sich der Refrain – “Ole” – wie ein roter Faden durch das Lied. Darin zeigt sich Sultans kreativer Einfallsreichtum und seine Fähigkeit, die schrecklichen Geschehnisse in der Gesellschaft einzufangen, ohne dabei auf die poetische Note zu verzichten, die sein Werk auszeichnet. In “Ole” singt er:

Seht sie fliegen für das Flugzeug
erinnere dich an all die Schmerzen,
die mein Volk ertragen muss
Ich werde nicht müde, es zu erklären
Die kleinen Leute, die nie hacken,
beschweren sich Wasser Licht na yawa
überall nur Licht kein Strom
die einzige Macht ist die,
die uns unterdrückt.

Diese Zeilen verdeutlichen das von den Machthabern in Sultans Heimatland errichtete Unterdrückungssystem. Durch dieses Lied werden wir auf die Leiden des Volkes und die Privilegien der Machthaber eingestimmt. Die Kluft zwischen den Armen und den Reichen wird deutlicher sichtbar. So ist es beispielsweise ein typisches Ritual unserer führenden Politiker, für medizinische Behandlungen ins Ausland zu fliegen, während die Masse der Bevölkerung schlecht ausgestattete Krankenhäuser aufsucht, die gleichzeitig als Schlachthaus für diejenigen dienen, die sich vor dem möglichen Tod der Patienten in diesen Krankenhäusern fürchten. Erwähnenswert sind auch die Schlaglöcher, die unsere Straßen zieren, während die Staatsoberhäupter per Flugzeug in andere Länder reisen.

Sultans musikalischer Weg führt uns weiterhin durch seine Vorliebe für die unermüdliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Dekadenz und Verrottung in seinem Heimatland. In “2010 (Light Up)”, featuring M.I. Abaga, überwiegt seine überwältigende Wut auf die nigerianischen Führer. “2010 (Light Up)” konfrontiert die Führer mit ihrem Versagen, eine stabile Stromversorgung für die Massen zu gewährleisten. In diesem Song lässt Sultan die Versprechen der nigerianischen Führer Revue passieren und zeigt auf, wie die Dürre der politischen Verantwortlichkeit das Land heimsucht. Er singt:

Wenn wir unsere Regierung fragen
wann sie uns Licht geben wird
Dem sagen na 2010
Seitdem warten wir nicht mehr auf 2010
Aber jetzt muss das Warten ein Ende haben
Denn 2010 wird sich zeigen, oh oh oh

Africa is a Country

Dieser Artikel erschien im Original auf englisch bei Africa is a Country unter dem Titel “Sound Sultan’s Political Music”

Es ist erwähnenswert, dass “2010 (Light Up)” nach wie vor einer der politischsten Songs des Landes ist. Sultans Versuch, die nigerianische Bevölkerung von den Heuschrecken zu befreien, die ihren Verstand verschlingen, ist lobenswert. Die von Sultan verwendete Metapher von Moses, der sein Volk in das gelobte Land führt, ist sehr treffend. Leider ermordet sein Heimatland diejenigen, die sich gegen die Flut der Revolution auflehnen. Der Moses wird am Galgen aufgehängt oder an einem unbekannten Ort begraben, während die systematische Vernichtung von Messiassen nie aufhört. Betrachtet man die politische Geschichte Nigerias, so wird der Schmerz über die enttäuschten Hoffnungen zur unvermeidlichen Realität. Man wird mit den traurigen Geschichten von MKO Abiola und den annullierten Wahlen vom 12. Juni 1993 konfrontiert; Ken Saro Wiwa und seinem Kampf gegen die Ölverschmutzung im Land der Ogoni und Dele Giwa und seiner Ermordung durch unbekannte Killer mittels eines Bombenpakets. Der Tod dieser Menschen unterstreicht das tragische Ende jedes Moses, der sich erhebt, um die erschütternden Erzählungen über das postkoloniale Trauma in Nigeria zu verändern. Sultan singt:

Ich möchte wie Mose sein
Meinem Volk den Weg
in das gelobte Land
Aber dann habe ich etwas bemerkt
Leute, die es mit mir versuchen, tauchen unter
Ich sehe sie, ja

In anderen Strophen des Liedes beklagt Sultan die Unfähigkeit der nigerianischen Führer und ihre kolossalen Versäumnisse und setzt sein unermüdliches Streben nach einem utopischen Heimatland fort. Wenn man sich durch die anderen aufrüttelnden Strophen dieses Liedes bewegt, werden die revolutionären Tropen, die das Lied zu einem meisterhaften Werk machen, deutlicher sichtbar. Sultan singt:

Erhebt euch Naija
Erhebt euer apa
Sag ihnen, dass du das Böse leid bist
E don tey wen fela don go o
E don tey wen fela don go o
Die Anführer sind also hinter dem Geld her

Die Erwähnung von Fela Kuti in diesem Lied ist symbolisch und zeitgemäß. Wenn man die unbehandelte Wunde der soziopolitischen Probleme in Nigeria öffnet, kommen einem Felas politisch ergreifende Lieder in den Sinn. Wie die Reden von Martin Luther King und Malcolm X, die den Kampf für die Freiheit der Schwarzen in den Vereinigten Staaten und auf dem afrikanischen Kontinent festhielten, waren und sind Felas Lieder ein wichtiges Instrument, um die Massen gegen die politischen Rüsselkäfer aufzuwiegeln, die die Blütenblätter der Träume durchwühlen. Mit seinen Liedern kämpfte er gegen den Krebswurm schlechter Führung und offener Verstöße gegen die Gesetze in seinem Heimatland. Er sezierte nationale Themen und schilderte in seinen Liedern die enormen Turbulenzen, die von den Militärführern verursacht wurden, und deren immense Unterdrückung der Menschenrechte. Er rief zur Befreiung der Nigerianer auf – der einfachen Männer, der Marktfrauen, der sterbenden Kinder, der bettlägerigen Rentner, der Verlassenen, denen die Lebensgrundlage entzogen wurde.

Fela starb 1997, aber die Probleme der Nigerianer bleiben ungelöst. Sultans revolutionäre Stimme hallt durch das Lied, wenn er sagt: “Rise up, Naija/Raise your apa”. Sultans Verachtung für Tyrannei und Unterdrückung spiegelt sich in diesem Lied wider. Seine vernichtende Kritik an der giftigen Machtausübung der Machthaber verstärkt unser Verständnis dafür, wie korrupt und ineffektiv das System unter der Regierung ist. In “Naija Jungle”, das 2018 veröffentlicht wurde, beschreibt Sound Sultan wie gewohnt die Probleme des Landes und wie die Bourgeoisie die Proletarier auf ihre gewohnte Art und Weise unterdrückt. Die ungleiche Verteilung des Reichtums spiegelt sich auch in den Strophen des Liedes wider. Darüber hinaus erinnert das Lied an George Orwells bahnbrechendes Buch “Animal Farm” und Beautiful Nubias “The Small People’s Anthem”. In den beiden genannten Werken leiden die Massen sehr, während sich die Führer auf Kosten der Massen bereichern und ihnen die grundlegenden Annehmlichkeiten vorenthalten, die ihnen das Überleben sichern. Anstatt einen großen Beitrag zum Fortschritt der Gesellschaft und des Volkes zu leisten, sehen die Führer zu, wie sich das Volk in bitterer Armut suhlt. Sound Sultan singt:

Manche schauen, manche arbeiten
Manche reden, manche hacken
Manche leben auf dem Dach
und manche schlafen auf dem Boden
Einige arbeiten die ganze Zeit, während andere hacken
Bis die Belle voll für den Boden ist
Refrain:
Affen arbeiten, Paviane hacken
Vieles passiert im Dschungel
Wenn der Löwe redet,
hält die Schildkröte den Mund
vielschichtiger Dschungel.

In anderen Strophen des Liedes wird der Dschungel geschildert, den Sultan zu erforschen versucht. Diese Art von Dschungel ist gekennzeichnet durch Ungerechtigkeit und Strafen, die auf die Massen niedergehen. Es ist ein Dschungel, der keinen Aufschub duldet, und das Leben seiner Bewohner ist dem vorzeitigen Tod ausgeliefert. In diesem Dschungel sterben die Menschen, weil sie es leid sind, immer wieder aufzuwachen und über den besorgniserregenden Zustand von allem zu klagen. Diese Art von Dschungel ist unheimlich, und nur diejenigen, die die Schmerzen ertragen können, werden überleben. Es ist ein Dschungel namens Nigeria, und die Menschen dort liegen im Sterben.

Rasaq Malik ist ein nigerianischer Dichter. Er ist Absolvent der Universität von Ibadan, Nigeria.

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Phases and Faces

Adulphina Imuede bringt in ihrer Kunst verborgene Elemente der afrikanischen Geschichte ans Licht und verdeutlicht ihr persönliches Lebensgefühl.

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Zakaria Mtilk

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Lyrik der Ratlosigkeit

Osazes Gedichtband ist eine düstere Anschuldigung gegen die Machthaber, die durch Vernachlässigung und Fehlverhalten nur Schmerz für die jetzige Generation übrig lassen.

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Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.

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Musik

Familie und Luxus neu denken mit FAKA

Familie und Luxus neu denken mit FAKA
von Maneo Mohale

Mam'khulu Queenie

… ist eine Frau sparsamer Worte und stiller Anmut. Sie ist die Schwester meiner Großmutter – in jenem nebulösen Sinne, in dem in Schwarzen Familien eine Cousine eine Schwester und ein Onkel ein Großvater ist und jede Frau, die dich jemals im Arm gehalten hat, deine Mutter ist. Mam’khulu Queenies Rezepte, darunter auch ihre begehrten Anleitungen zum Backen eines süßen Dattelkuchens, befinden sich in einer Mappe, die sie in ihrer Schrankwand aufbewahrt. Wie die meisten Gogos bewahrt sie in diesem Raumteiler neben Spitzendeckchen, Messingvasen, Plastikrosen, Tassen und Keramik auch Fotos von ihrer Familie auf.
Es ist daher nicht überraschend, dass etwas in mir erschüttert wurde, als ich das Bildmaterial zu Queenie -FAKAs neuestem, erstaunlichen Musikvideo, das gleichzeitig Kurzfilm und Single ist – sah.
Das Video beginnt mit einer Aufnahme eines Raumteilers: Bilder von Desire Marea und Fela Gucci zieren die Regale in verschiedenen Bilderrahmen. Viele der Bilder sind bekannt, wie die ihres berühmten Shootings für den Bubblegum Club, auf denen das Duo in schwarzen Trikots und Netzstrumpfhosen auf staubigem Boden steht, fotografiert von der international bekannten niederländischen Fotografin Viviane Sassen. Andere Fotos scheinen älter und intimer zu sein.

Als die Kamera zurückfährt, sehen wir die Entwicklung von FAKA im Laufe der Zeit. Ihre in Ehren gehaltenen Schnappschüsse ruhen vor vergoldeten Keramiktellern, dienen als gerahmte Markierungen der Zeit. Dieses erste Bild, in dessen Hintergrund sich Queenies wummernder, von Angel-Ho produzierter Beat entfaltet, weckt Erinnerungen, und ich kann nicht anders, als an meine Mam’khulu zu denken.

Zwischen Kurzfilm, Modefilm und Videografie

Das Video von Queenie, bei dem die Filmemacherin Jabu Nadia Newman und der Kapstädter Performance-Künstler Luvuyo Equiano Nyawose Regie führten, überschreitet die Grenzen zwischen Kurzfilm, Modefilm und konzeptioneller Videografie. Mit einer Mischung aus bekenntnishaften Sprachnotizen, gedämpfter Kameraführung, freier Choreografie und üppigen dekorativen Versatzstücken bietet Queenie eine funkelnd frische Vision von Queerness, die wie eine freche Erscheinung zwischen den Kamerablickwinkeln hin- und herflackert.
Zum ersten Mal sehen wir FAKA leibhaftig in einem Raum, der eine leere Schulhalle zu sein scheint. Fela und Desire erscheinen als kühne Inkarnationen der Kwaito-Sängerin Lebo Mathosa, gekrönt von wallenden honigbraunen Locken, metallisch schimmerndem Make-up und engelsgleichen weißen Kleidern. Sie stehen vor einem blau gefärbten Hintergrund und posieren mit blinkenden Glühbirnen für die Kamera.Über dem Beat hören wir eine STimme, die gesteht:

Mir wurde nie der Luxus zuteil, meine Sexualität zu entdecken. Ich glaube, im Alter von drei Jahren hat man mir gesagt, dass ich schwul bin

Diese Vorstellung von Luxus wird sofort untergraben, als Desires reicher und sirupartiger Gesang im ersten Text des Liedes antwortet.

FAKA tanzen und bewegen sich in der Schulhalle, ihre Hände flattern in lockeren und fließenden Vogue-Formationen. Fela spiegelt Desires Bewegungen wider, wobei sich ihre weißen Ärmel wie Wolken wölben. In einer herzzerreißenden Sequenz dreht Fela langsam ihre Locken und blickt über ihre Schulter in die Kamera – ihr Blick ist gleichzeitig sanft, kraftvoll, feminin, kokett und verspielt.

Wie der Beschreibungstext andeutet, hatten so viele von uns nicht den Luxus, sich einen Namen zu geben (oder sich einer engen Kategorisierung zu entziehen). Doch hier haben wir FAKA, die den Luxus nach ihrem eigenen Bild neu erfinden und umgestalten. Wir sehen ihnen dabei zu, wie sie mit ihren Körpern eine Schulhalle zurückerobern, einen Raum, der für so viele transsexuelle und queere Kinder nach wie vor eine große traumatische Belastung darstellt. Und diese Rückeroberung ist glorreich.

In einer anderen Einstellung liegen Fela und Desire Kopf an Kopf auf dem Boden der Halle, in einem Stuhlkreis, der von einer leuchtend türkisfarbenen Linie durchschnitten wird. Die Aufnahme von oben wiederholt sich und verwandelt sich, nur dass wir dieses Mal sechs Figuren im Mittelkreis eines Basketballfeldes sehen, die ihre Arme unter einem Ring von Händen ausstrecken.

Ein Basketball wird in die Luft geworfen, und wir sehen FAKA inmitten vertrauter Trans- und Queer-Gesichter spielen: dem Model und Aktivisten Glow Mami, dem experimentellen Künstler und Produzenten Angel-Ho und dem Kapstädter DJ K-$. Gekleidet von Quaid “Queezy” Heneke und Sarah Hugo Hamman in blassgrünen und neonpinken Outfits, scherzt, schießt und kokettiert die Gruppe in einem Zeitlupentableau der Freude.

In einer Einstellung tanzt und schwankt Fela mit herausgestreckter Zunge, die Finger deuten wie eine ausgetreckte Pistole in die Kamera, als wollten sie sagen: “Ja, wena”, gleichzeitig ein frecher Gruß und eine Ermahnung, die die Betrachtenden in eine Herausforderung verwickelt, die die Anerkennung ihrer Anwesenheit verlangt.

Später sehen wir die Gruppe wieder zu Hause, wo sie an einem Tisch sitzt. Die Szene sieht wie ein alternatives Weihnachten aus. Der Tisch quillt über vor Essen und Sekt, während sich bekanntere Gesichter wie die Queer-Anwältin Mziyanda Malgas und der Regisseur Thandi Gula zu einem ausgelassenen Familienessen zu FAKA gesellen.

Zwischen feierlichen Selfies und farbigen Handschuhen, die ins Bild und aus dem Bild huschen, schleicht sich unter dem eindringlichen Beat ein weiterer Satz sich überlagernder Sprachnotizen ein: “Es gab auch eine Phase, in der ich dachte, dass ich hetero sei. Dachte ich echt! (lacht)… Und wenn ich mir die Tagebucheinträge von damals ansehe… Es bricht mir das Herz zu sehen, wie ich versucht habe, mich zu ändern… Aber nachdem ich mich am Ende der 10. Klasse geoutet hatte, fing ich an, mir von niemandem mehr etwas gefallen zu lassen.

Es ist diese Energie des glitzernden Trotzes, die den Rest des Videos trägt. Wir sehen, wie unsere Familie über ihre Geschenke jubelt und in ihren bunten Rüstungen bei einem improvisierten Festumzug füreinander stolziert, und wir sehen schließlich eine Party in Kapstadts berühmtem Zer021 Club, wo wir sehen, wie sich Paare im blauen Licht zärtlich küssen.

Es ist viel zu einfach, sich auf oberflächlichen Adjektiven wie “wild”, “frech” und “revolutionär” auszuruhen, wenn man sich auf das Werk von FAKA bezieht. Mit Queenie zwingen uns FAKA dazu, kollaborativ zu denken und zu sehen, wie bestimmte Bewegungen in radikalen Neuinterpretationen von Familie und Verwandtschaft verankert sind.

Zusammen mit den verschiedenen anderen Künstlern fordert FAKA uns auf, über Geschlecht und Sexualität im Zusammenhang mit der Vergangenheit nachzudenken: über unsere Kindheit und unsere Erziehung; über die Bedingungen, unter denen wir unsere jungen Vorstellungen von uns selbst und unserem Platz in der Welt zu formen und zu gestalten begannen. Oft hatten viele von uns nur ihre Fantasie.

Wie jede kraftvolle Kunst präsentiert uns Queenie eine kaleidoskopische Vision eines Ausschnitts der Realität. Das Video ist sowohl ein Spiegel als auch ein Teleskop, durch das ich so viel von meiner eigenen Reise reflektiert sah, während ich über mich hinaus in meine Gemeinschaft, meine Familie und wieder zurück in eine Ecke des ahornbraunen Raumteilers meiner Mam’khulu Queenie dachte.

Maneo Mohale ist Redakteur*in, feministische Autor*in und Dichter*in. Mohales Arbeiten sind in verschiedenen lokalen und internationalen Publikationen erschienen, vor allem in Bitch Media, wo Mohale 2016 Global Feminism Writing Fellow war. Mohale zweimal auf der Longlist für den Sol Plaatje EU Poetry Anthology Award & ihr* Debüt-Gedichtband „Everything is a Deathly Flower“ kam auf die Shortlist für den Ingrid Jonker Poetry Prize 2020.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
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Musik

Burna Boy made it!

Burna Boy made it!
Der Musiker aus Nigeria erhält einen Grammy für sein Album "Twice as Tall"

I remember when I couldn't level up
'Cause the Grammys had me feeling sick as fuck
Throwing up and shit
Asking questions like, "Why it wasn't us?"
Almost had a nigga feeling envious (Serious)
Tell 'em, say them can't bury us
Tell 'em, say them can't bury us
'Cause the love make me stand up every time when me fall
Come back standing twice as tall (Mmm)
I never thought that I could level up
'Til I started filling all these venues up (Now it's regular)
All I wanted was weed in my Rizla
And some VVS to ice my bezel up (Run it up)
Some of my guys might never see the sun
Some of them still peddle drugs (Run along)
If you know that you ain't never show me love
And you like me better when me gun ah buss

Burna Boy in Level Up feat. Youssou N'Dur

Gut, dass Burna Boy im letzten Jahr nicht nur Weed in sein Rizla gedreht hat, sondern musikalisch so produktiv wie immer war, denn so hat es bei seiner zweiten Nominierung endlich mit dem Grammy geklappt. Der unglaubliche weltweite Erfolg des Afro-Fusion Stars aus Nigeria erfährt nun auch durch die Auszeichnung mit dem wichtigsten Award in der Musikbranche Anerkennung. Für sein Album “Twice as Tall” erhielt Burna Boy, der mit bürgerlichem Namen Damini Ogulu heißt und aus Port Harcourt stammt, den Grammy Award für das beste Weltmusik Album.

Auf der einen Seite wächst durch diese internationale Auszeichnung und damit auch Inwertsetzung des Genres Afrobeats die Hoffnung auf eine langfristige Anerkennung, auf Achtung der Urheberrechte und finanzielle Kompensation von Afrobeats-Künstler:innen, denn bisher, das musste auch Burna Boy in Zusammenarbeit mit dem kanadischen Rapper Drake erfahren, bedienen sich Musiker:innen von Weltrang oft gratis an den musikalischen Leistungen afrikanischer Künstler:innen.

Auf der anderen Seite sollte der Grammy auch bedeuten, dass Burna Boy in Nigeria so gut wie unantastbar wird. In seinen Texten setzt sich der 29-Jährige nicht gerade subtil kritisch mit sozialen und politischen Problemen auseinander, was ihm bis vor einigen Jahren noch die Ablehnung der nigerianischen Musikindustrie einbrachte. 2015 sagte Burna Boy auf die Frage, wie er die Musikindustrie seines Heimatlandes sehe:

Sie ist politisch, Mann. Um ehrlich zu sein, fühle ich mich nicht wirklich als Teil der Branche. Ich bekomme keine Auszeichnungen, weil die Mächtigen mich nicht wirklich mögen. Ich bin nicht wie alle anderen, ich tue nicht, was alle anderen tun. Das mögen sie nicht. Alles ist sehr politisch und ich bin kein sehr guter Politiker. Also mische ich mich nicht wirklich in all das ein. Ich bringe einfach nur Hits, und meine Fanbase wird immer größer.

Nun wurde er jedoch bei seinem nigerianischen Homecoming-Concert nach der Grammy Verleihung von der nigerianischen Regierung mit dem Titel ‘Distinguished Service Star of Rivers State’ ausgezeichnet, einem Titel, der als Anerkennung für außergewöhnliche Dienste oder Leistungen verliehen wird. Berichten zufolge überreichte River State Gouverneur Nyesom Wike den Preis an Burna Boy im Beisein seiner Familie und seines Managements und schenkte gleich ein Grundstück und Geldmittel für einen Hausbau dazu. Wike erklärte, dass die Auszeichnung ein Zeichen der Dankbarkeit sei und hoffte, dass sie als Ermutigung für den River State dienen würde, damit seine Leute sich bemühen, auf Burna Boy’s Niveau zu kommen.

Die Grammy-Auszeichnung wird von vielen als großer Erfolg für die gesamte afrikanische Musikwelt gesehen und als Wegbereiter für weitere afrikanische Künstlerinnen und Künstler, die sich an die internationale Bühne herantrauen wollen. Neben Burna Boy wurde schließlich auch der ebenfalls aus Nigeria stammende WizKid für seinen Auftritt in Beyoncés “Brown Skin Girl” mit einem Grammy Award geehrt.

In Burna Boys Musik treffen zeitgenössischer westafrikanischer Elektro-Pop, Dancehall und Reggae, Rap, R’n’B und der politische Jazz-Funk, den Fela Kuti in den 60er Jahren berühmt gemacht hat, aufeinander. Seine Songs, die jemand in der ZEIT als Songs mit breiten Beinen und leichten Füßen bezeichnet hat, singt er auf Englisch und Yoruba und oft in Zusammenarbeit mit internationalen Superstars wie Youssou N’Dur, Beyoncé, Jorja Smith, Ed Sheeran, Justin Bieber, Chris Martin und noch vielen mehr.

ZEIT Online

Burna Boy – Ein Riese auf Augenhöhe…Ogulu verbindet die kleinen Details seiner Songs mit großen Themen, meistens so mitreißend, dass man erst bei genauerer Beschäftigung merkt, was einem gerade eingeflößt wird. So erinnert der Musiker sich in Twice As Tall seiner teilzeitkriminellen Jugendtage, seiner Erfahrungen mit korrupter Staatsgewalt und einiger alter Weggefährten, denen der Absprung nicht vergönnt war.

“Twice As Tall” von Burna Boy ist bei Atlantic/Warner erschienen.
Offizielle Webseite des Künstlers: https://www.onaspaceship.com/

Foto im Header: Burna Boy, © Instagram

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Zakaria Mtilk

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Musik

Lous and the Yakuza

Lous and the Yakuza
Tiny Desk Concert

Es ist jetzt schon ein paar Tage alt und vielleicht habt ihr es schon gesehen, wir müssen euch aber trotzdem unbedingt noch das Lous and the Yakuza Tiny Desk Concert ans Herz legen!

Es herrscht elegante Stimmung im Hôtel Grand Amour in Paris, als Lous and The Yakuza dort in der Book Bar ihr Tiny Desk Concert spielen. Doch während die Musik streckenweise sehr sachte, beschwingt und warm klingt, ist das, was sich in Lous Hintergrundgeschichte und in ihren französischen Texten, verbirgt, manchmal tiefgründig und aufwühlend.

Lous – ein Anagramm für “Seele” – ist Marie-Pierra Kakoma, eine 24-jährige Künstlerin, die ihr Heimatland Demokratische Republik Kongo wegen des Krieges verließ, in Ruanda aufwuchs und heute in Belgien lebt. Ihr Tiny-Desk-(Haus-)Konzert eröffnet sie mit ihrer 2019 veröffentlichten Single “Dilemme”. Das Lied beschwört Erinnerungen an ihre Jugend im Kongo und in Ruanda herauf: “Das Leben verfolgt mich, alles, was mich umgibt, hat mich gemein gemacht”, singt sie auf Französisch. Lous Lieder sind oft zu kongolesischen Rumba-Rhythmen vertont, gefüllt mit Resilienz, Schönheit und Widerstand.

RosaMag

Im Interview erzählt Lous von der Arbeit an ihrem Album “Gore”. Sie spricht über die BLM Proteste in Belgien diesen Sommer, die sie mitorganisierte und ihr Morddrohungen einbrachten. Außerdem erzählt sie von den Herausforderungen als Schwarze Frau in einer weißen Industrie …
Die auf dem Konzert gespielten Lieder stammen vom 2020 erschienenen Album Gore, indem sie musikalisch die Traumata von Krieg, Flucht und Trennung von ihrer Familie, aber auch ihren Rauschmiss aus dem Elternhaus in Belgien adressiert. Lous war ein aufgewühlter Teenager und verbrachte eine Zeit lang auf der Straße, bevor sie ihr Leben wieder in den Griff bekam und sich der Musik und Kunst widmete. Von dieser Künstlerin werden wir noch sehr viel hören!
SET-LISTE Tiny Desk Concert:
“Dilemme”
“Bon Acteur”
“Dans La Hess”
“Solo”
“Amigo”

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Musik

Amaarae – farbenfrohe Musik aus Ghana

Amaarae
-
farbenfrohe, warme Klänge aus Ghana

Amaarae ist eine Künstlerin, die sich selbst durch Musik und Farben ausdrückt und vor allem Befreiung für junge Frauen darstellen will... und für Kids. Ja, das ist Amaarae.

Amaarae für Ghana Music

Ama Serwah Genfi, die unter dem Künstlernamen Amaarae arbeitet, überzeugt in ihrem Debütalbum “Passionfruit Summers” durch klanglichen Freigeist, kokette Melodien und leise, hypnotische Reflexionen. Die Ende 2017 veröffentlichte LP trieft vor üppigen, warmen Klängen und Amaaraes zarte Stimme singt von bittersüßer Sehnsucht, verlorener Liebe und Nostalgie.

Amaarae wurde als Lieblingskünstlerin von Apple Music Africa ausgezeichnet. 2019 veröffentlichte sie die Singles “Like It” und “Spend Some Time” und trat in Los Angeles, New York und Lagos auf. In der Musikszene in Ghana kann sie als eines der hellsten Sternchen der alternativen Musikszene jedoch am meisten brillieren:

In Accra haben wir eine Vielfalt in Bezug auf Rap, R&B, Neo Soul und die elektronische Szene, die wahnsinnig lebhaft ist, und wir sind wagemutig mit unserem Handwerk.

Amaarae für Nataal

NATAAL.COM

Amaarae: The young Ghanaian songstress who stands out from the pack

Amaarae bei Instagram.

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Musik

Kokoko!

KOKOKO!
Laut, vital, spontan und erfinderisch: Straßenmusik born in Kinshasa

Falls ihr KOKOKO! noch nicht kennt, solltet ihr jetzt unbedingt eure Öhrchen spitzen, denn das ist wohl die musikalisch erfinderischste Truppe, die euch seit Langem oder je untergekommen ist! Am besten, wir lassen KOKOKO! sich selbst vorstellen, im Anschluss gibt es ein paar Videos für euch zum Reinhören.

KOKOKO! ist ein Kollektiv aus Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, ein kreativer Zusammenschluss verschiedener Künstler, der bei einer spontanen Fusion auf einem Straßenfest geboren wurde. Es besteht aus Erfindern von Musikinstrumenten aus dem Viertel Ngwaka, dem Elektronik-Produzenten débruit, Makara Bianko (alias Lingwala-Teufel) und seinen Tänzer:innen aus dem Viertel Lingwala.

Und weiter…

Die KOKOKO! Mitglieder sind dafür bekannt, eine ganz eigene Ästhetik zu schaffen, indem sie Materialien wie Metall, Dosen, Motorteile und Kunststoffbehälter von den Straßen Kinshasas neu zusammenbasteln und zu vitaler, skulpturaler Tanzmusik aufbereiten. Ihre verzerrten, schnellen Rhythmen und spontanen elektronischen Lo-Fi-Klänge bilden den chaotischen Soundtrack für die raue und doch reichlich kreative Realität der Stadt.

© Kokoko!

Dies ist eine ganz neue Szene - radikal, gefährlich und blühend in einem Land, dessen politische Instabilität zuallererst und am eindringlichsten auf den Straßen Kinshasas, Afrikas drittgrößter Hauptstadt, spürbar ist, einem städtischen Patchwork, das sich weiter erstreckt, als das Auge sehen kann. KOKOKO! ist spektakuläre Klangkulisse, die neue, ungebremste Ästhetik, die (zwischen den von der Regierung verhängten Stromausfällen) von den Clubs in der Innenstadt ausgeht.

In Kinshasa ist der performerische Zeitgeist multidisziplinär und kollaborativ, die Performance-Künstler:innen, Musiker:innen und Tänzer:innen treten oft in Gruppen auf, drücken ähnliche Gefühle aus und teilen denselben rebellischen Geist.

Das KOKOKO!-Kollektiv besteht aus Performance-Künstler:innen, die sich auf der Suche nach einem Publikum in der geschäftigen Stadt an einer belebten Kreuzung aufbauen, wobei ihre Gesten und Bewegungen die harte Realität der aktuellen Ereignisse im Land zum Ausdruck bringen. Ihre Arbeit erlaubt es ihnen, non-verbal ihre Frustration über die heutigen Zustände und die Ereignisse der Vergangenheit auszudrücken, die den Kongo, der eines der reichsten Länder der Welt sein sollte, in ein Chaos gestürzt haben, von dem sich das reiche Ausland ernährt und das es ausnutzt.

KOKOKO! schreiben auf ihrer Website, es entgehe dem kongolesischen Volk nicht, dass gerade die Ressourcen, die einen Großteil des industriellen und technologischen Fortschritts der wohlhabendsten Länder angeheizt haben – von versklavten Menschen, Kautschuk und Diamanten bis hin zum Coltan, aus dem unsere Smartphones sind und Kobalt für Akkus und Batterien – die Ursache für das Leiden in ihrem eigenen Landes sind.

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Musik

Spoek Mathambo

Spoek Mathambo
-
Township Tech aus Soweto

Spoek Mathambo ist ein aufstrebender Musiker, Produzent und Regisseur aus Südafrika und eine Schlüsselfigur des als Township Tech bezeichneten Stils südafrikanischer elektronischer Tanzmusik. Seine Musik verschmilzt Funk, House und Kwaito und ist gespickt mit bissigen Kommentaren über das Hier und Jetzt.

International bekannt geworden ist Mathambo mit seinem “Darkwave-Township-House“ Cover des berühmten „She’s lost control“ von Joy Division, das wir euch hier verlinken, denn es ist ein wahres Meisterwerk von einem Video. Man muss kein Joy Division Fan sein, um es großartig zu finden. Trotz gruselig verzerrten Gesanges und verstörender Bilder behält Control erstaunlicherweise durch seine Baseline die Fähigkeit des Originals bei, einen zum Tanzen zu bringen.

Das Video wurde im Viertel Langa in Kapstadt unter der Regie des berühmten Fotografen Pieter Hugo und mit Kindern der örtlichen Tanzgruppe Happy Feet gedreht. Mathambo, der sich selbst für Repräsentationen von AfrikanerInnen interessiert, wollte mit Hugo an diesem Projekt unter anderem zusammenarbeiten, um über die Darstellung der Kinderbande fragen zu können, wer dabei eigentlich die „Control“ habe. Im Video bombardiert uns Mathambo in einem weißen Anzug und mit einem alten Megafon in der Hand mit Bildern, die schneller wechseln, als wir ihre Bedeutung verstehen können. Wir sehen an verschiedenen Orten ihn und eine teilweise zombiehaft aussehende Bande von Kindern, die sich in bizarren Ritualen den Kopf rasieren, Milch erbrechen, epileptisch oder wie geistig besessen zucken, militärisch tanzen, sich mit Farbe übergießen, Waterboarding durchmachen, schließlich in einen Gewaltexzess ausbrechen, der keinen Höhepunkt findet. Das Ganze findet in einer eindrücklichen schwarz-weiß Ästhetik und einem surrealen Setting von Friedhöfen und verlassenen Gebäuden statt.

Für Control erhielt Mathambo 2011 den Nachwuchsregiepreis beim Cannes Lions International Festival of Creativity.

Mathambo hat außerdem einen Dokumentationsfilm über die südafrikanische Kwaito-Szene produziert, „The Future Sound of Mzansi“:

Als ein Fan von südafrikanischer elektronischer Musik habe ich mich darüber gefreut, sie innerhalb der letzten zehn Jahre regional und international durch die Decke gehen zu sehen. Sie beinhaltet so eine große Vielfalt an verschiedenen Kulturen, verschiedenen Sprachen, verschiedenen Klassen!

Als Kind von hier wächst man auf und schaut immer zu fremder Musik auf. Ich habe nie wirklich respektiert, was in Südafrika passierte. Und dann auch noch mit Tanzsachen. Bis mir klar wurde, dass der südafrikanische House und Kwaito zu den besten Hausnummern der Welt gehört. Track für Track ist das einfach der Shit.

In den Townships von Südafrika erfunden und zusammengemixt, wuchs Kwaito schnell zu einer ganzen Jugendbewegung heran, die bewusst unpolitisch zu sein schien. Wie ein südafrikanischer DJ sagte, war man es nach der Freilassung von Mandela irgendwann leid, politische Lieder zu singen. Eine schöne Anekdote ist, dass Mandela selbst die Inhalte von Kwaito Liedern gar nicht schätzte und 1996 verschiedene DJs über die ANC Jugendliga zu einem Treffen einlud, bei dem er sie bat, positive Botschaften zu transportieren.

Kwaito Kasetten wurden aus offenen Autos auf der Straße verkauft, von Oskidos Church Groove Compilation verkauften sich ganze 200.000 Exemplare. Der Inhalt von Kwaito mag unpolitisch gewesen sein, aber als Bewegung verkörperte er die Emanzipation. Wie Mathambo es ausdrückte: “Junge Schwarze konnten anfangen zu tun, was immer sie wollten – und sie taten es.”

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