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Die geheimen Leben der Frauen
des Baba Segi
von Aisha Obiagwu

Lola Shoneyin erzählt in ihrem Debütroman die Geschichte einer wohlhabenden Familie im heutigen Nigeria, die in eine Krise gerät, als der Patriarch Baba Segi eine junge, gut ausgebildete vierte Frau in seine polygame Ehe bringt.

Das geheime Leben von Baba Segis Frauen spielt in der alten südwestlichen Stadt Ibadan und begleitet das Leben eines Polygamisten, seiner vier Ehefrauen und ihrer sieben Kinder. Der Patriarch, Ishola Alao, auch bekannt als Baba Segi, ist ein frecher, ungebildeter, aber wohlhabender Yoruba-Mann, der in seiner großen Familie und seinem unglaublichen Reichtum schwelgt. Seine Ehefrauen, Iya Segi, Iya Tope und Iya Femi, sind ebenfalls ungebildet, aber alle drei sind stolz darauf, Mitglieder dieses wohlhabenden Haushalts zu sein. Iya Segi ist die erste Frau und die Mutter von Segi und Akin, den ältesten Kindern von Baba Segi. Die zweite Frau ist Iya Tope, die Mutter von Tope, Folake und Motun. Sie wird im Buch als fügsam beschrieben, und ihre Mädchen sind genauso wie sie. Iya Femi ist die dritte Frau und Mutter von Femi und Kole. Obwohl die drei Ehefrauen in einem gewissen Maß an Harmonie zu koexistieren scheinen, hüten sie ein gemeinsames Geheimnis, das alles zerstören könnte, was sie aufgebaut haben. Die Angst davor wird noch realer, als Baba Segi beschließt, erneut zu heiraten. Diesmal bringt er eine jüngere, besser ausgebildete Frau mit nach Hause. Ihr Name ist Bolanle.

Bolanle fällt auf wie ein wunder Daumen in ihrem neuen Haushalt. Sie ist gebildet und kultiviert und kommt aus einer gut situierten, großbürgerlichen Familie. Auf den ersten Blick scheint es für eine Frau wie sie unschicklich zu sein, mit einem Mann wie Baba Segi zusammen zu sein, und auch ihre Familie missbilligt die Verbindung ganz entschieden. Im Laufe der Geschichte entdecken wir jedoch ihre Gründe. Auch sie hat ein Geheimnis, und sie sieht ihre Entscheidung, sich dieser Familie anzuschließen, als eine Möglichkeit, weiterzukommen. Trotz ihrer Bereitschaft, friedlich mit dem Rest der Familie zusammenzuleben, werden ihre Bemühungen von den anderen Frauen, deren Kindern und sogar von Baba Segi selbst mit Verachtung gestraft. Trotz alledem ist sie fest entschlossen, in dieser Familie zu bleiben und die Dinge zum Laufen zu bringen.

Lola Shoneyin

Die Geschichte in diesem Buch erkundet viele Themen, die den Leser:innen in vielen Teilen Nigerias nur allzu vertraut sind. Rivalität in polygamen Häusern, Patriarchat, Vaterschaftsbetrug, Untreue, Unfruchtbarkeit und wie sie in der nigerianischen Gesellschaft wahrgenommen wird, und so weiter, sind alle Teil der Erzählung. In dieser Geschichte verwebt Shoneyin gekonnt das Leben jedes dieser Charaktere, entwickelt und entwirrt sie mit jedem neuen Kapitel, und jede Enthüllung lässt die Lesenden sowohl schockiert als auch begeistert zurück. Geheimnisse werden enthüllt, Leben werden komplexer, und in den letzten Momenten gibt es keine Cliffhanger. Nur unbestreitbare Wahrheit und Klarheit.

Das Tempo der Geschichte ist wunderbar, und die Autorin führt den Leser Kapitel für Kapitel in das Leben der Hauptfiguren ein. Der allgemeine Ton der Erzählung ist geradlinig, und die Auflösung der Handlung ist rasant, was dieses Buch zu einem absoluten Pageturner macht. Shoneyins Prosa ist poetisch und musikalisch, die Worte auf der Seite singen, dennoch gibt es keine verschachtelten Sätze und jedes Wort hat seinen Platz. Jeder ihrer Charaktere hat seine eigene starke, einzigartige Stimme, und selbst mit dem Einsatz von Rückblenden von Zeit zu Zeit, ist es leicht, der Handlung zu folgen und zu unterscheiden zwischen jeder Stimme und Geschichte.

Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi ist vieles: Es ist urkomisch, spannend, schockierend und insgesamt eine wunderbare Lektüre. Shoneyins schriftstellerisches Können ist pure Schönheit, und dieses Debüt räumt ihren einen Platz als Ausnahmeautorin ein.

Literandra

Diese Besprechung erschien im englischen Original bei Literandra, einer gemeinnützigen digitalen Plattform, die literarische Kunstformen, die vom afrikanischen Kontinent ausgehen, vorstellt und zelebriert.

Lola Shoneyin, 1974 in Ibadan, Nigeria geboren, ist eine Dichterin und Autorin. Nach dem Besuch verschiedener englischer Internate kehrte sie nach Nigeria zurück, um dort ihre Sekundarausbildung und ihren Bachelor abzuschließen. Ihr Debütroman „Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi“ erschien 2009 in Großbritannien. Shoneyins Arbeit wird maßgeblich durch ihr Leben beeinflusst, so auch der vorliegende Roman. Ihr Großvater mütterlicherseits, HRH Abraham Olayinka Okupe (1896 – 1976), war der Herrscher von Iperu Remo und hatte fünf Ehefrauen. Ihr Schwiegervater ist Wole Soyinka, der 1986 als erster Afrikaner den Nobelpreis für Literatur erhielt. Shoneyin lebt in Abuja, Nigeria, wo sie Englisch und Schauspiel an einer internationalen Schule unterrichtet.
Die geheimen Leben der Frauen des Baba Segi, Edition Büchergilde, Frankfurt am Main 2014.

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